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Alles hat ein Ende

ALLGEMEINES ZU DEN ENDBRÄUCHEN

Teilweise am Gidelmändig, in der Regel jedoch am Fasnachtsdienstag, vereinzelt auch erst an der «alten Fasnacht» (Sonntag Invocavit) endet in Uri das fasnächtliche und närrische Treiben. In den meisten Urner Gemeinden wird hierzu nochmals auf die Trommel geschlagen und auf die Pauke gehauen, vereinzelt nochmals Trompete und Posaune geblasen. Das Ende der Fasnachtsfreuden wird auch sinnfällig dadurch zum Ausdruck gebracht, dass eine Katze oder ein «Tunggel», der die Fasnacht oder die Katzenmusik verkörpert, verbrannt wird. Dieses Abschlussritual kennt man im ganzen Alpenraum. Das Fasnachtsverbrennen gehörte bereits im 16. Jahrhundert zum Brauchtum der Fasnacht. Um den Demonstrationscharakter solcher Feuer noch zu steigern, wurde auf den Holzstössen im Laufe der Zeit immer häufiger die Personifikation der närrischen Zeit in Gestalt einer Strohpuppe platziert, wodurch das Schauspiel unwillkürlich Züge einer Hinrichtung annahm. Ursprünglich war der Sinn des Verbrennens der anschauliche Abschluss einer Festperiode, welche nächstes Jahr wiederkehren sollte. Vielfach hatte sich – wie beim Zürcher Sechseläuten – mit dem Begraben auch die Absicht der Beseitigung feindseliger Wintermächte verbunden. Zum Feuer kamen bereits im 18. Jahrhundert Begrabungszeremonien mit Scheinsarg oder Leichengruppe, Totengräber und lamentierender Trauergemeinde. Das ins Komische gedrehte Totenritual zum Fasnachtsabschied kann aber auch in bewusster Nachbarschaft und gezieltem Kontrast zum «Memento mori» des Aschermittwochs gesehen werden. «Mensch bedenke, Staub bist du und zum Staub kehrst du zurück» – dieser Aussage sollte ihr Schrecken genommen werden und sie war vorweg im Gelächter aufzulösen. Fasnächtliche Trauerzeremonien traten in Uri erst im 20. Jahrhundert auf.

In einem knappen Dutzend der Urner Gemeinden wird an der «Üsslumpetä» oder am «Üssflännä» zu den Tönen der Katzenmusik ein «Tunggel» oder eine ausgestopfte Katze verbrannt. Nebst der Katze wird in rund der Hälfte der Urner Gemeinden ein «Tunggel», «Tungg», «Toggel», «Tolg», «Mannsgoggel» oder «Böögg» verbrannt. In Andermatt ist es am «Üssflännä», der winterlichen Landschaft entsprechend, ein Schneemann.

Wenn der Föhn kräftig blies, musste das Feuer unterlassen oder an einem anderen Standort entfacht werden, oder der «Böögg» wurde, wie in Wassen, geköpft. Aus der Not einen Brauch gemacht, hatte man eine Zeit lang an der «Üsslumpetä» in Seedorf. Anfang der 1960er-Jahre beschloss man, den «Böögg» nicht mehr zu verbrennen, sondern ihn als Ballon in die Luft zu heben.

Mancherorts folgt an die «Üsslumpetä» die «Erbteilig» in Form eines Mahles. In Attinghausen besteht das «Leichenmahl» traditionell aus «Älpler-Magäroonä», Cervelat und Salat, in Sisikon beschliesst man die Fasnacht mit dem Spaghettiessen. In den 1960er- und 1970er-Jahren wurde auch in Realp am Dienstagabend ein «Manoggel» aufgestellt und auf dem Dorfplatz verbrannt. Der Brauch ist jedoch wieder verschwunden. Die Fasnacht endet, wenn die Mitglieder der Musikgesellschaft nach dem Unterhaltungsabend am Güdelmontag das Gemeindehaus aufgeräumt und die Dinge verstaut haben, damit die nächste Fasnacht wieder problemlos in Angriff genommen werden kann.

DIE URNER ENDBRÄUCHE IM DETAIL

Altdorf  / Fasnacht, Endbrauch
Üsstrummet



In Altdorf wird die Fasnacht traditionell am Fasnachtsdienstag mit der Katzenmusik, bei welcher Trompeten und Posaunen fehlen, als Trauermarsch begraben. Dieses Abschiedsritual entstand um 1930. Am Fasnachtsdienstag hatten sich anfänglich die Studenten des Kollegiums nochmals zusammengefunden, um Katzenmusik zu spielen. In den Räumlichkeiten eines Kranzlagers kleidete man sich ganz in Schwarz, mit Zylinder und Melone. Dann ging die trauernde Katzenmusik auf die Strecke. Die weitere Entwicklung ist erst nach dem Zweiten Weltkrieg wieder fassbar. 1947 war das Abschiedskonzert der Katzenmusiker am Dienstagabend offizieller Bestandteil des Fasnachtsprogramms. Daran waren jedoch nebst «Trummer» und Pauker auch Bläser zugelassen. 1948 erfolgte am Dienstag das Abschiedskonzert der Katzenmusiker in uniformer Bekleidung und beleuchteter Kopfbedeckung. Die uniforme Bekleidung muss nicht schon in der schwarzen Kleidung bestanden haben, sondern kann auch das weisse Hirthemd mit der Kapuze gewesen sein. 1955 wurden die Herren für die stille Bestattung der Katzenmusik gebeten, in Schwarz und Zylinder zu erscheinen. An dem Abschiedskonzert nahmen nur mehr gut zwei Dutzend Tambouren und Paukisten teil. Mitte der 1960er-Jahre bürgerte sich auch der Name «Üsstrummlä» ein. Mit gedämpftem Trommelklang und dumpfen Paukenschlägen, ohne die Melodie von Blasinstrumenten, wurde von der Fasnacht Abschied genommen. Noch Anfang der 1960er-Jahre wurde zum Teil der Katzenmusikmarsch gespielt, danach jedoch nur mehr die «Ordonnänzler» der Militärtambouren. Seit 1998 nehmen am «Usstrummälä» auch Frauen teil. Die Zahl der Musizierenden hat dadurch zugenommen, das Abschiedszeremoniell ist das gleiche geblieben.
  
   
Attinghausen  / Fasnacht, Endbrauch mit Feuer
Üsslumpetä mit Erbteilig



«Üsslumpetä mit Erbteilig»; nur Trommeln und Pauken; alle schwarz gekleidet.
  
   
Gurtnellen  / Fasnacht, Endbrauch
Schlusskonzert



Beginn, wenn die Glocken vom Kirchturm verstummen; nur Trommeln und Pauken; Tenu schwarz.
  
   
Seelisberg  / Fasnacht, Alte Fasnacht
Tanzanlass an der Alten Fasnacht



An der Alten Fasnacht wird in Volligen die Seelisberger Fasnacht mit musikalischer Unterhaltung und einem Maskenball beendet.
  
   
Wassen  / Fasnacht, Endbrauch mit Feuer
Austrommeln und Verbrennen des «Bööggs»



In Wassen erscheint die Katzenmusik in Weiss und der Vorstand in Schwarz zum «Böögg»-Verbrennen. Die Musikantinnen und Musikanten ziehen hinter dem vom Vorstand eingekleideten «Mannsgoggel» und flennen. Die Katzenmusik spielt sodann stehend, und hört in dem Zeitpunkt auf zu spielen, wenn der «Mannsgoggel» verbrannt oder geköpft ist. Das soll bisweilen schon sehr lange gedauert haben.
  
   
   

 

 

Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / Letzte Aktualisierung: 22.07.2016