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Alemannen in Uri

ab 650 n. Chr - 857

Die alemannische Einwanderung von Norden erfasste um 600 auch die nördlichen Gestade des Vierwaldstättersees. Um diese Zeit erfolgte auch die Missionierung der Alemannen. Zu dem Zwecke wurde das Bistum Konstanz gegründet, welches, unterstützt von Glaubensboten, Klöstern und adeligen Stiftern, den Aufbau und die Organisation der alemannischen Kirche leitete. Das Christentum brach in die heidnische Welt der germanischen Mythologie ein und verdrängte diese allmählich.
Im 7. Jahrhundert erreichten die Alemannen auch das Urnerland. Das wichtigste Zeugnis sind die ingen-Namen, welche während des 8. und 9. Jahrhunderts aus althochdeutschen Personennamen entstanden (Spiringen, Hartolfingen, Bötzlingen usw.). Der Siedlungsvorstoss reichte bis Göschenen. Die unerschlossene Schöllenenschlucht hemmte ein weiteres Vordringen, so dass Ursern romanisch und nach Churrätien ausgerichtet blieb. Die romanisch sprechenden Ureinwohner wurden von den Alemannen als «Walen» ( «Welsche») bezeichnet. Die Alemannen setzten sich gegen die Romanen durch und bewirkten, dass das Reuss- und Schächental dem deutschsprachig-alemannischen Kulturkreis angegliedert wurden.

Das Urnerland wurde bis zur Schöllenen der Diözese Konstanz zugewiesen und in drei grosse Landespfarreien aufgeteilt: Altdorf, Bürglen und Silenen. Altdorf umfasste die Gegend rund um den Urnersee und die Reussebene bis Erstfeld. Bürglen, zu welchem auch Schattdorf zählte, erstreckte sich über das ganze Schächental. Silenen reichte bis Göschenen. Die Alemannen gründeten in der Reussebene und an besonnten Hanglagen Einzelgehöfte in typischer Streusiedlungsweise. Die Höfe waren wohl klein. Es gab aber auch vornehme Adelsfamilien mit umfangreichem Grundbesitz, welcher von zahlreichem, unfreiem Gesinde bearbeitet wurde. Das Volk dürfte somit aus freien Adeligen und Bauern bestanden haben. Daneben gab es auch Unfreie, die auf den Höfen des Adels arbeiteten. Viehhaltung und Milchwirtschaft, aber auch Getreidebau sowie Jagd und Fischerei bildeten die Ernährungsgrundlage. Hanf, Flachs, Schafwolle und Leder waren die Rohstoffe für selbstverfertigte Kleider.

Die Gebäude waren wohl einräumige Pfostenhäuser. Die Bauweise wurde dem vorhandenen Baumaterial und der jeweiligen Örtlichkeit angepasst. Die Nutzung der ungeteilten Allmenden, Wälder und Alpweiden regelten die Siedler durch gemeinsame Bestimmungen. Die Herrschaft kam um 700 der alemannischen Herzogsfamilie zu, welche sich auf den mit ihr versippten oder sonst verbundenen Adel abstützte.

Das alemannische Herzogshaus jedoch unterlag der aufstrebenden Macht der fränkischen Karolinger. 744 wurde Theudbald erstmals geschlagen. Damit war das linksrheinische Herzogtums Alemannien unterworfen. Im Feldzug von 746 wurde von den Franken auch das rechtsrheinische Stammesgebiet erobert. Die siegreichen Hausmeier konfiszierten die Güter des Herzogs und der aufständischen Adeligen in Alemannien. So kam bedeutendes Herzogs- und Adelsgut in Uri in ihren Besitz und wurde verwaltungsmässig dem Hof in Zürich zugeteilt. Eine neue, fränkisch gesinnte Führungsschicht trat an die Stelle der Alemannen. Aus ihr entwickelte sich der bis ins Hochmittelalter bestimmende karolingische Reichsadel, dessen Einfluss auch nach Uri reichte.
Ab 853 gehörte ein Grossteil des Landes der Fraumünsterabtei in Zürich.

Literatur:

BEGRIFFE AUS DER ALEMANNENZEIT

Altdorfer Alemannengrab
Am frühesten fassbar ist die Kirche St. Martin in Altdorf. Ihre ältesten Fundamente liegen im Innern des heutigen Gotteshauses. Sie war ein kaum 10 m langes, querrechteckiges, geostetes Kirchlein mit einem Hauptschiff und zwei Seitenschiffen sowie einem Dreiapsidenabschluss. Nebst einem Kindersarkophag aus Tuffstein und einem Erwachsenengrab mit schlecht erhaltenem Skelett und spärlichen Stoffresten wurde die Grabstätte eines Reiters entdeckt. Dem adeligen Toten wurden zahlreiche Beigaben ins Grab gelegt: Langschwert (Spatha) und Kurzschwert (Sax), Dolch, Schilt, Eibenholzbogen, verzierter, lederüberzogener Holzköcher, Pfeile, Schild, Feldflasche, reichhaltige, silbertauschierte Gürtelgarnitur und silbertauschierter Sporn. Die Beigaben charakterisieren den Toten als Angehörigen der reichen Adelsschicht. Es handelt sich dabei um den Kirchenstifter von Altdorf. Nach neuesten Forschungen wurde er in der Zeit zwischen 660 und 680 beigesetzt.
Literatur: Stadler-Planzer Hans, Geschichte des Landes Uri, Bd. 1, S. 43 ff.

       

FUNDGEGENSTÄNDE AUS DER ALEMANNENZEIT



Altdorfer Alemannengrab
Material:
Beschrieb: Am frühesten fassbar ist die Kirche St. Martin in Altdorf. Ihre ältesten Fundamente liegen im Innern des heutigen Gotteshauses. Sie war ein kaum 10 m langes, querrechteckiges, geostetes Kirchlein mit einem Hauptschiff und zwei Seitenschiffen sowie einem Dreiapsidenabschluss. Nebst einem Kindersarkophag aus Tuffstein und einem Erwachsenengrab mit schlecht erhaltenem Skelett und spärlichen Stoffresten wurde die Grabstätte eines Reiters entdeckt. Dem adeligen Toten wurden zahlreiche Beigaben ins Grab gelegt: Langschwert (Spatha) und Kurzschwert (Sax), Dolch, Schilt, Eibenholzbogen, verzierter, lederüberzogener Holzköcher, Pfeile, Schild, Feldflasche, reichhaltige, silbertauschierte Gürtelgarnitur und silbertauschierter Sporn. Die Beigaben charakterisieren den Toten als Angehörigen der reichen Adelsschicht. Es handelt sich dabei um den Kirchenstifter von Altdorf. Nach neuesten Forschungen wurde er in der Zeit zwischen 660 und 680 beigesetzt.
Literatur: Stadler-Planzer Hans, Geschichte des Landes Uri, Bd. 1, S. 43 ff.


Fundort: Altdorf; Dorf

Standort: Historisches Museum Uri, Altdorf

Literatur:

    

FUNDORTE IN DER ALEMANNENZEIT

Altdorf, Dorf

PERSONEN DER ALEMANNENZEIT MIT URNER BEZUG

Der älteste Urner
Der Föhn, der warme und teils stürmische Südwind, wird in Uri auch "der älteste Urner" genannt. Er hat bestimmt bereits den Alemannen um die Ohren geblasen und für schönes Wetter gesorgt.
      
Theudebald
Theudebald (Theutbald) war der Sohn des Herzog Gotfrids. Nach dessen Tod 709 übernahm Theudebald (+746) zusammen mit seinem Bruder Lantfrid (+730) das Amt des alemannischen Herzogs. Beide Brüder standen den fränkischen Hausmeiern (Verwaltungsbeamte) in erbitterter Feindschaft gegenüber. Klosterbischof Pirmin gründete 724 unter dem Schutz des Hausmeiers Karl Martell das Kloster Reichenau inmitten des alemannischen Herzogtums, was von Lantfrid und Theudebald als Provokation aufgefasst wurde. Theudebald vertrieb 727 den Abt Pirmin "ob odium Karoli" (aus Hass gegen Karl) aus dem Kloster Reichenau; dessen Nachfolger, Abt Heddo, verbannte er 732 nach Uri.
742 erhob sich Theudebald mit anderen Stämmen erfolglos gegen die Hausmeier. Hausmeier Karlmann schlug im Jahre 746 den Aufstand in Alemannien nieder und liess am Gerichtstag von Cannstatt die Mehrheit der alemannischen Principes (unter ihnen auch Theudebald) töten.

      
Hermann der Lahme
Hermann von Reichenau (Hermann der Lahme) war ein Benediktiner und bedeutender Wissenschaftler, Komponist und Schriftsteller des Mittelalters.
Er kam im Alter von sieben Jahren in klösterliche Obhut. 1043 legte er im Kloster Reichenau das Mönchsgelübde ab. Bis zu seinem Tode hat er dieses Kloster vermutlich nicht wieder verlassen. Er erfuhr die damals übliche klösterliche Bildung und entwickelte sich zu einem herausragenden Kenner der Geschichte, der Musik sowie der Mathematik und der Astronomie. Er starb im Jahre 1054.
Seine Chronik ist eine Hauptquelle für die Geschichte des mittleren 11. Jahrhunderts. Er erwähnt darin auch die Verbannung von Abt Heddo nach Uri im Jahre 732 und liefert damit auch die älteste Belegstelle für Uri (pagellus Uroniae).

      
Heddo
Heddo (auch Eddo, Adda, Addae, Eddanus, Haeddo) wurde um 697 geboren und stammte aus dem alemannischen Adel. Er wirkte als Missionar. 727 wurde er als Abt des Klosters Reichenau eingesetzt. Unter Heddo wurden von Reichenau aus unter anderem Filialen in Niederaltaich, Murbach und Pfäfers gegründet. Herzog Theudbald, der Gegner von Karl Martell, durchschaut diese Pläne. 732 verbannte Herzog Theudebald Heddo nach Uri. Karl Martell holte ihn zurück und setzte ihn auf den Bischofsstuhl von Strassburg. In seiner neuen Funktion gründete Heddo die Klöster Ettenheimmünster und Münster im Gregoriental, denen er auch als Abt vorstand. Er starb 776 und wurde in Ettenheimmünster bestattet.
      

EREIGNISSE DER ALEMANNENZEIT

732
Abt Heddo von der Reichenau wird nach Uri verbannt
Der St. Galler Chronist Hermann der Lahme berichtet, dass in diesem Jahr Abt Heddo von der Reichenau nach Uri verbannt wird. Der frankenfreundliche Mönchsvater hat ein Jahr zuvor die Klöster Niederaltaich, Murbach und Pfäfers durch Entsendung von Mönchen gefördert und damit den Einfluss des fränkischen Hausmeiers Karl Martell in Bayern, im Elsass und gegen Rätien hin erhöht sowie dadurch die politische Isolierung Alemanniens verstärkt. Herzog Theudbald, der Gegner von Karl Martell, durchschaut diese Pläne. Zur Strafe verbannt er Abt Heddo nach Uri, in das abgeschiedene und ihm ergebene Gebirgstal. Abt Heddo wird im gleichen Jahr wieder eingesetzt, nachdem Theudbald vertrieben worden ist.
Quellenwerk zur Entstehung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Urkunden I/1, Aarau 1933, S. 2; Stadler-Planzer Hans, Geschichte des Landes Uri, Bd. 1, S. 46.
        

LITERATUR ZUR URNER FRÜHGESCHICHTE

Auf der Maur Christian , Diaz Tabernero José und Meier Mohamed Gabi; Archäologische Spuren einer Kulturlandschaft. Zur Nutzung und Begehung des Urserntals bei Hospental seit dem Mittelalter; in: HNBl Uri 2013, Altdorf 2014.
Auf der Maur Christian und Cornelissen Marcel unter Mitarbeit von Brönnimann David; Die spätmesolithische und bronzezeitliche Fundstelle Hospental-Moos. Ein Einblick in das urgeschichtliche Urserntal; in: HNBl Uri 2013, Altdorf 2014.
Bieri Anette; Eine karolingische Kreuzfibel aus Schattdorf - ein überraschender Neufund; in: HNBl Uri 2013, Altdorf 2014.
Haas Jean Nicolas, Wahlmüller Notburga, Vaccaro Christina, Dietre Benjamin und Hajdas Irka; 7000 Jahre Vegetationsgeschichte des Urserntals anhand palynologischer und grossrestanalytischer Untersuchungen an den Torfsedimenten aus der Flur Moos zwischen An
Primas Margarita, Della Casa Philippe, Schmid-Sikimic Biljana; Archäologie zwischen Vierwaldstättersee und Gotthard. Siedlungen und Funde der ur- und frühgeschichtlichen Epochen; Bonn 1992.
Renner-Aschwanden Felix; Landschafts- und Waldgeschichte des Urserntals; in: HNBl Uri 2013, Altdorf 2014.
Sauter Marion; Wüstungsforschung im Kanton Uri: Brunni- und Schächental, Haldi und Surenenpass; Altdorf 2009.
Sauter Marion; Wüstungsforschung im Kanton Uri: Urnerboden - Zingel; Altdorf 2011.
Sauter Marion; Wüstungsforschung im Kanton Uri: Ursern; Altdorf 2010.
Winet Ines, Diaz Tabernero José und Deschler-Erb Eckhard; Römer in Ursern - die römischen Prospektionsfunde aus Hospental; in: HNBl Uri 2013, Altdorf 2014.

 
ARCHÄOLOGIE
Fundgegenstände
Fundorte

Zeugen der Geschichte im Historischen Museum Uri.

 

 

Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / Letzte Aktualisierung: 18.7.2015