Römer kamen wohl selten nach Uri
58 v. Chr. - 650 n. Chr.
Mit der Alpenfeldzug des Jahres 15 v. Chr. unter den Feldherren Drusus und Tiberius wurden die keltischen Helvetier unterworfen und das Gebiet der heutigen Schweiz endgültig in das Römische Reich eingegliedert. Während das Mittelland rasch romanisiert wurde und bedeutende Städte wie Aventicum (Avenches), Vindonissa (Windisch) oder Turicum (Zürich) entstanden, blieb die Innerschweiz eine dünn besiedelte Gebirgslandschaft. Dennoch gehörte auch das Reusstal während fast vier Jahrhunderten zum Römischen Reich. Die römische Herrschaft endete mit dem endgültigen Zusammenbruch der römischen Verwaltung um 400–401 n. Chr. Die römischen Truppen zogen sich schrittweise zurück und germanische Völker, insbesondere die Alemannen, rückten nach.
Politisch gehörte Uri zunächst zur römischen Provinz Raetia. Diese umfasste neben Graubünden auch Teile der Ost- und Zentralschweiz. Im Zuge der Verwaltungsreform Kaiser Diokletians um 300 n. Chr. wurde Raetien in zwei Provinzen geteilt. Uri gehörte danach wahrscheinlich zur Raetia prima, deren Hauptstadt Curia Raetorum (Chur) war.
Der Gotthardpass war in der Römerzeit wegen der unpassierbaren Schöllenenschlucht keine bedeutende Alpenroute. Die Römer bevorzugten deshalb besser ausgebaute Alpenübergänge wie den Grossen St. Bernhard oder die Bündner Pässe. Dies bedeutet allerdings nicht, dass der Gotthard völlig unbekannt war. Wahrscheinlich nutzten Jäger, Hirten, Händler oder einzelne Reisende bereits damals alpine Saumpfade über den Pass. Für Militärkolonnen oder den regelmässigen Fernhandel eignete sich die Route jedoch noch nicht.
Im Gegensatz zu den benachbarten Regionen sind in Uri nur wenige römische Funde bekannt. Bis heute wurden keine grösseren römischen Gutshöfe (Villae), Kastelle oder städtischen Siedlungen entdeckt. Zu den bekannten Funden gehören vereinzelte römische Münzen, die vermutlich durch Reisende oder Händler ins Reusstal gelangten; einzelne Fragmente von Keramik und Metallgegenständen.
Die heutige Urner Ortsnamenlandschaft ist überwiegend alemannischen Ursprungs und entstand erst nach dem 6. Jahrhundert. Eindeutig lateinisch-römische Ortsnamen fehlen weitgehend. Es lassen sich nur einzelne Hinweise erkennen. Der Flurname Chastelen südlich des Zusammenflusses von Reuss und Schächen (lat. castellum Burg) könnte auf ein römisches Kastell hinweisen, ebenso der Dorfname Bürglen (857 burgilla = kleine Burg).
Obwohl Uri ungefähr 415 Jahre zum Römischen Reich gehörte, blieben die kulturellen Auswirkungen begrenzt. Während Städte des Mittellandes tief romanisiert wurden, behielt Uri seinen Charakter als abgelegenes Berggebiet.
Erst nach dem Rückzug der Römer wanderten die Alemannen ein und prägten Sprache, Siedlungsnamen und Kultur nachhaltig. Die spätere Bedeutung Uris entstand erst im Hochmittelalter mit der Erschliessung des Gotthards und der Entstehung der Alten Eidgenossenschaft.
Literatur:
Literatur: Stadler-Planzer Hans, Geschichte des Landes Uri, Bd. 1, S. 27-37; Rolf Gisler-Jauch.
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BEGRIFFE DER RÖMERZEIT
Provinz Raetia und Germania Superior
Die Grenze zwischen den römischen Provinzen Raetia und Germania Superior verlief im Bereich des Urnerlandes. Diese war jedoch unbedeutend, da der Gotthard bei den Römern nur eine untergeordnete Bedeutung hatte. Die Schöllenen als natürliche Barriere dürfte diese Grenze – wenn auch nicht kartographisch – so aber doch geografisch veranschaulicht haben.
Die Provinz Raetia erstreckte sich von der Donau über die Ostalpen und Graubünden bis ins Unterwallis. Die Bündner und Walliser Pässe führten zu - für das Reich wichtigen - Bestimmungsorten. Folglich wurden diese Verbindungen zu Heerstrassen ausgebaut. Das Urserntal zählte wegen seiner geografischen Lage zur Provinz Raetia. Provinzhauptstadt war Augsburg (Augusta Vindelicum).
Zur Provinz Germania Superior zählten nebst den drei bekannten römischen Stätten Vindonissa (Windisch), Augusta Raurica (Kaiseraugst) und Aventicum (Avanches) das damals noch unbedeutende Urner Unterland. Der Statthaltersitz der Provinz befand sich in Mogontiacum (Mainz).
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FUNDGEGENSTÄNDE DER RÖMERZEIT
Tonscherben
Material:
Beschrieb:
Herkunft unbekannt.
Fundort:
;
Standort:
Historisches Museum Uri, Altdorf
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MÜNZEN DER RÖMERZEIT
Alexander Severus (222-235 n. Chr.), Sesterz
Fundort:
;
Standort:
Schweizerisches Landesmuseum, Zürich
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Augustus, postumer As, unter Tiberius (16-22 n. Chr.)
Fundort:
Wassen; Sustenpass
Standort:
Historisches Museum Uri, Altdorf
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Caligula, Sesterz
Fundort:
Attinghausen; Surenen
Standort:
Historisches Museum Uri, Altdorf
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Denar des Tiberius, 14-37 n. Chr.
Fundort:
Schattdorf; Dorf
Standort:
Historisches Museum Uri, Altdorf
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Gordianus III. (238-244 n.Chr.), Antonian
Fundort:
Seedorf;
Standort:
Historisches Museum Uri, Altdorf
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Konstantin 1. (312-313 n.Chr.), Follis
Fundort:
Hospental; Rossplatten
Standort:
Historisches Museum Uri, Altdorf
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Konstantin II., Lugdunum, off. P. (333-337 n.Chr.), Follis
Fundort:
;
Standort:
Historisches Museum Uri, Altdorf
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L. Älius Cäsar (137 n. Chr.), Sesterz
Fundort:
Schattdorf; Dorf
Standort:
Historisches Museum Uri, Altdorf
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Sesterz des Lucius Verus, 161 n. Chr.
Fundort:
Attinghausen; Surenen
Standort:
Historisches Museum Uri, Altdorf
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Tetricus II. (270-273 n.Chr.), Imitation eines Antonian
Fundort:
Hospental; Rossmettlen
Standort:
Historisches Museum Uri, Altdorf
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Traianus (98-117 n. Chr.), Dupondius
Fundort:
;
Standort:
Schweizerisches Landesmuseum, Zürich
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FUNDORTE DER RÖMERZEIT
Erstfeld, Lochertal
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LITERATUR ZUR URNER FRÜHGESCHICHTE
Auf der Maur Christian , Diaz Tabernero José und Meier Mohamed Gabi; Archäologische Spuren einer Kulturlandschaft. Zur Nutzung und Begehung des Urserntals bei Hospental seit dem Mittelalter; in: HNBl Uri 2013, Altdorf 2014.
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Auf der Maur Christian und Cornelissen Marcel unter Mitarbeit von Brönnimann David; Die spätmesolithische und bronzezeitliche Fundstelle Hospental-Moos. Ein Einblick in das urgeschichtliche Urserntal; in: HNBl Uri 2013, Altdorf 2014.
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Bieri Anette; Eine karolingische Kreuzfibel aus Schattdorf - ein überraschender Neufund; in: HNBl Uri 2013, Altdorf 2014.
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Haas Jean Nicolas, Wahlmüller Notburga, Vaccaro Christina, Dietre Benjamin und Hajdas Irka; 7000 Jahre Vegetationsgeschichte des Urserntals anhand palynologischer und grossrestanalytischer Untersuchungen an den Torfsedimenten aus der Flur Moos zwischen An
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Primas Margarita, Della Casa Philippe, Schmid-Sikimic Biljana; Archäologie zwischen Vierwaldstättersee und Gotthard. Siedlungen und Funde der ur- und frühgeschichtlichen Epochen; Bonn 1992.
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Renner-Aschwanden Felix; Landschafts- und Waldgeschichte des Urserntals; in: HNBl Uri 2013, Altdorf 2014.
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Sauter Marion; Wüstungsforschung im Kanton Uri: Brunni- und Schächental, Haldi und Surenenpass; Altdorf 2009.
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Sauter Marion; Wüstungsforschung im Kanton Uri: Urnerboden - Zingel; Altdorf 2011.
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Sauter Marion; Wüstungsforschung im Kanton Uri: Ursern; Altdorf 2010.
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Winet Ines, Diaz Tabernero José und Deschler-Erb Eckhard; Römer in Ursern - die römischen Prospektionsfunde aus Hospental; in: HNBl Uri 2013, Altdorf 2014.
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ARCHÄOLOGIE

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