Urner Ereignisse an einem bestimmten Tag
Dienstag, 20. Mai 2008
Deponieplanung - Bevölkerung sagt geschlossen: «Ey Nei!»
Die kantonale Deponieplanung favorisiert den Standort Ey in Silenen und ist derzeit in der Vernehmlassung. Nicht einverstanden ist hingegen die Silener Bevölkerung.
Die Gemeinde Silenen und das überparteiliche Komitee «Deponie Ey Nei!» haben gerufen, und die Bevölkerung ist in Scharen gekommen. Die Silener Turnhalle war am Dienstagabend, 20. Mai, gefüllt bis auf den letzten Stehplatz. Zumal es galt, ein klares Zeichen gegen die in der kantonalen Deponieplanung favoritisierte Deponie Ey zu setzen. Der zuständige Regierungsrat, Stefan Fryberg, spielte vor den rund 300 Personen mit offenen Karten: «Es darf von mir nicht erwartet werden, dass ich heute Abend sage, die Deponie kommt nicht.» Dies sei Sache des Gesamtregierungsrates. «Aber ich verspreche Ihnen: Wir werden die Sachlage intensiv studieren.» Gemeindepräsident Wendelin Loretz machte gleich zu Beginn den Standpunkt seiner Gemeinde klar: «Wir sind vehement gegen eine Deponie. Sie beeinträchtigt uns mit Staub, Lärm und verhindert die Entwicklung in den tangierten Bauzonen.» Silenen habe mit der Neat-Baustelle und der Deponie im Butzen schon genug Lasten.
In kleinen Schritten aufschütten
Der zuständige Abteilungsleiter beim Amt für Umweltschutz, Edi Schilter, ist sich dessen sehr wohl bewusst: «Aber der Standort Ey schneidet in unserer Beurteilung am besten ab. Er ist ideal für die Lagerung von unverschmutztem Aushub.» Zumal auch die Erreichbarkeit vom Urner Talboden her sehr gut sei, und die Deponie von der Wohnzone schlecht einsehbar wäre. «Wir haben leider in Uri keine Prärie, und eine Deponie in einem abgelegen Seitental nützt uns nicht viel.» Der zuständige Planer, Enrico Cassina, hatte im Auftrag des allfälligen Deponiebetreibers, der Kies AG Butzen, eine Projektstudie erstellt. Er appellierte an die Bevölkerung, nicht kategorisch Nein zu sagen. «Vielleicht finden wir ja einen gemeinsamen Nenner.» Das von der Reuss in vielen Jahrhunderten erodierte Gelände soll in kleinen Schritten wieder schräg abfallend aufgeschüttet werden. «Sobald eine Fläche aufgeschüttet ist, wird sie sogleich wieder rekultiviert.» Und für die Lastwagen könnte das bestehende Neat-Werkgleis von Amsteg her genutzt werden.
Waldentwicklungsplan vergessen
Dies vermochte die geeint auftretende Silener Bevölkerung aber nicht zu überzeugen. Aus touristischen Kreisen kam die Bemerkung, dass es keinen Sinn mache, entlang der Hauptverkehrsader mit einer unschönen Deponie aufzuwarten. «Da nützt die beste touristische Signalisation nichts, wenn sie beim Vorbeifahren auf einen Schutthaufen blicken», hiess es etwa. Andere wiederum stellten klar fest: «Die Neat-Baustelle reicht uns völlig – wir vollen nicht für die nächsten paar Jahrzehnte wiederum viele Lastwagen und einen grossen Staubhaufen vor der Nase haben.» Es sei eine Frechheit, immer alles auf die Randregionen abzuschieben.
Bereits schon die Alptransit AG hätte 1993 in der Ey eine Deponie erstellen wollen. «Damals traten aber Kanton und Gemeinde geschlossen dagegen an», wusste Altlandrat Paul Jauch. In der damaligen Studie hätte die Ey als Deponiestandort zudem ganz schlecht abgeschnitten, weil sie als Landschaftsschutzgebiet deklariert wurde. «Gilt das heute nicht mehr?» Edi Schilter erklärte, dass die Kriterien wohl dieselben seien: «Aber die Zeit verändert deren Beurteilung.» Er musste aber eingestehen, dass sein Amt bei der Bewertung «schlicht vergessen hat, dass die Silener Ey im aktuellen Waldentwicklungsplan vorkommt». Das werde jetzt selbstverständlich nachgeholt.
Fair aber intensiv
Auf die Frage von Landrat Stefan Tresch, wieso der Kanton in Sachen Deponieplanung nicht eine offensivere Informationspolitik betrieben habe, konterte Umweltdirektor Stefan Fryberg: «Wir informierten im Amtsblatt, machten eine Medienmitteilung und hatten die Gemeinden und die Betreiber – entgegen sonstiger Gepflogenheiten – im Vorfeld zu einer Information nach Altdorf eingeladen.» Von Mauscheleien wollte er deshalb nichts wissen. Die Baubranche verlange zwar explizit nach genügend Deponieraum. «Aber trotz dieses grossen Drucks haben wir auf Wunsch von Silenen die Vernehmlassungsfrist extra bis zum 30. Mai verlängert.»
Stefan Fryberg und seine Crew wurden während rund drei Stunden intensiv, aber immer fair beansprucht. Dem spürbaren Widerstand zum Trotz, verlor der Regierungsrat nie den Humor. «Es gibt zwar in meinem Amt tatsächlich erfreulichere Anlässe.» Er werde jetzt aber zurück in die Regierung gehen und dort Bericht erstatten. Das Motto sei: «Ich habe gehört und verstanden.» Verstanden, um was es geht, haben auch die Einwohnerinnen und Einwohner von Silenen. Im Anschluss an die Diskussion gingen sie in Scharen zu den vom Komitee bereitgestellten Unterschriftenbögen. Für sie alle war klar: «Ey ganz sicher Nei!».
Quellen / Literatur:
UW 40, 24.5.2008
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DAS HEUTIGE DATUM
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