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Mittwoch, 28. Januar 2026
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Montag, 28. Januar 2008
Brüder ziehen sich aus dem Kapuzinerkloster zurück
Das Kloster Altdorf galt bisher als relativ «sicherer» Standort. Wegen Personalmangel und Überalterung der Brüder steht nun aber die Schliessung bevor.
«Es kam für uns alle überraschend», sagt Bruder Anton Rotzetter, Guardian des Kapuzinerklosters Altdorf. In der vergangenen Woche wurde von der Leitung der Schweizer Kapuziner mitgeteilt, dass das Altdorfer Kloster per Sommer 2009 aufgehoben wird. Personalmangel und die Überalterung der Gemeinschaften führten dazu, dass die Anzahl der Niederlassungen verkleinert werden müsse. 150 Kapuziner gibt es noch in der Deutschschweiz, wobei viele von ihnen sehr alt sind und Mühe haben, die Infrastrukturen der elf Niederlassungen aufrechtzuerhalten.
Erstes Kloster nördlich der Alpen
Diese Entwicklung zeichnete sich seit längerer Zeit ab, doch Altdorf galt bis anhin als ein relativ «sicherer» Standort. Anton Rotzetter nennt drei Gründe. Erstens die historische Bedeutung: In Altdorf steht das erste Kapuzinerkloster nördlich der Alpen. Es wurde 1581 gegründet. Zweitens seien hier bedeutende Gemeinschaften entstanden: Theodosius Florentini floh im 19. Jahrhundert aus dem Kanton Aargau ins Kapuzinerkloster Altdorf. Er bildete mehrere Klosterfrauen aus, woraus die Klostergemeinschaften Ingenbohl und Menzingen entstanden. Drittens verfügt das Altdorfer Kapuzinerkloster mit dem Haus der Stille seit 1997 über ein international renommiertes Projekt. Gäste können sich anmelden, um eine Zeit lang mit den Brüdern zusammen das meditative Klosterleben zu teilen. Das Angebot ist meistens ausgebucht. Künftig soll dieses Angebot nur noch im Kapuzinerkloster Rapperswil aufrechterhalten werden.
Brüder werden gebraucht
Einen entscheidenden Nachteil gibt es aber in Altdorf. Das Kloster steht zwar an herrlicher Lage, doch eignet es sich wegen der steilen Zubringermöglichkeiten nicht für betagte Brüder. Zudem gibt es im Innern der Gebäude keinen Personenlilft. Um von den Zimmern in die Kirche oder in den Essraum zu gelangen, müssen mehrere Stockwerke und steile Treppen überwunden werden.
In Altdorf leben derzeit sechs Brüder. Sie alle sind voll einsatzfähig und werden deshalb gebraucht, um das Gemeinschaftsleben in den grösseren Klöstern mitzutragen. Den Aufhebungsentscheid bedauert Anton Rotzetter zutiefst, doch könne er die Argumente nachvollziehen.
Wie weiter?
Besonders betroffen von der Schliessung des Klosters ist auch die Korporation Uri, die Besitzerin des Altdorfer Kapuzinerklosters. Sie hatte Ende vergangener Woche von der bevorstehenden Schliessung erfahren. «Das ist für Uri ein grosser Verlust», sagt Korporationspräsident Anton Arnold gegenüber dem «Urner Wochenblatt». «Die Leistungen, die die Kapuziner erbringen, sind äusserst vielfältig. Die Kapuziner sind in der Bevölkerung akzeptiert und geachtet, und das Kloster hat eine grosse Ausstrahlung.» Es werde wohl eine Arbeitsgruppe eingesetzt, welche sich mit der zukünftigen Nutzung der Räumlichkeiten auseinandersetzt. Auch die Frage, was mit der Kirche, dem Friedhof und mit den kulturhistorisch wertvollen Gütern geschehe, die teilweise der Korporation und teilweise den Kapuzinern gehören, gelte es zu klären. «Es handelt sich um weit mehr als bloss um die Aufhebung eines gewöhnlichen Mietvertrages», so Anton Arnold.
In der Innerschweiz gibt es noch Kapuzinerklöster in Luzern und in Schwyz sowie Kapuziner auf Einzelposten in Andermatt, in der Einsiedelei Tschütschi bei Schwyz, in Heiligenkreuz und auf Rigi-Klösterli.
Quellen / Literatur:
UW 8, 30.1.2008
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