URI UND SEIN VERKEHR

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Säumerwesen

 
SAUMWESEN

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Alter Gotthardweg
Alter Klausenweg
Saumweg über die Furka

Brücken
Susten
Urner Loch (Tunnel)
Zollgebäude

Maultiere
Pferde

Die Säumergenossenschaften übernahmen den Transport der Kaufmannsgüter über den Gotthardpass. Sie wurden von den Teilern geleitet. Ausgangspunkt und Zielort war der Hafenort Flüelen.

Das Saumrecht war Bestandteil des Landrechts und wurde sowohl als Haupt- als auch als Nebenerwerb ausgeübt. Die Säumer waren genossenschaftlich organisiert. Etappen der Säumerei waren Flüelen, Silenen, Wassen und Ursern. Hier bestanden auch Säumergenossenschaften und Susten.
 

Die Säumergenossen hatten auf ihren Strecken das Transportrecht, ein Privileg, welches ihnen eine monopolartige Stellung verlieh (Strusfuhr). Die Kaufleute schätzten den schnellen Transport und waren auch bereit, dafür einen höheren Preis zu zahlen (Strackfuhr). Für solche Transporte musste aber als Beitrag an den Strassenunterhalt jeder Säumergenossenschaft die Fürleiti bezahlt werden.

Bilder: Saumtiere auf der Furka, StAUR Slg Graphica 50.01-N-1833. Die St. Antonius-Kapelle in den Schöllenen, nach der Natur gezeichnet von Xaver Trinner 1794, in: StAUR Grosses Skizzenbuch 2008-0034.

BEGRIFFE ZUM SÄUMERWESEN

Fürleiti
Fürleiti war jene Gebühr, welche fremde Kaufleute für die Saumlasten bezahlen mussten, welche sie nicht «zum Teil schlugen», also nicht den einheimischen Säumergenossenschaften zum Transport übergaben, sondern mit eigenen Pferden oder Saumtieren führten. Die Fürleiti betrug im Spätmittelalter pro Saum 3 Kreuzplappart und ein alter Sechsger. Seit dem 16. Jahrhundert bestanden differenzierte Zolltarife. Die Fürleiti war für den Unterhalt von Weg und Steg bestimmt. Diese Last ruhte auf den örtlichen Säumergenossenschaften, weshalb deren Teiler am Einzug der Fürleiti beteiligt waren.
Quellen / Literatur: Stadler Hans, Die Behörden- und Verwaltungsorganisation Uris, GF Bd 133 (1980), S. 50.

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Säumergenossenschaften
Die Säumer waren genossenschaftlich organisiert. Die Säumergenossenschaften übernahmen den Transport der Kaufmannsgüter über den Gotthardpass. Ausgangspunkt und Zielort war der Hafenort Flüelen. Etappen der Säumerei waren Flüelen, Silenen, Wassen und Ursern. Hier bestanden auch Säumergenossenschaften.
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Saumrecht
Das Saumrecht war Bestandteil des Landrechts wie der Nutzen und die Pflichten an den Alpen, Allmenden, Wäldern. Nur vollwertige Mitglieder der Genossamen durften säumen. Das Saumrecht wurde sowohl als Haupt- als auch als Nebenerwerb ausgeübt.
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Strackfuhr (Fürleiti)
Strackfuhr - Vorteile für den Kaufmann Die Kaufleute schätzten den schnellen Transport und waren auch bereit, dafür einen höheren Preis zu zahlen. Deshalb gab es schon früh Säumer, die ausserhalb der genossenschaftlichen Organisation über weitere Strecken hinweg Transporte ausführten. Für solche Transporte musste aber als Beitrag an den Strassenunterhalt jeder Säumergenossenschaft die Fürleiti bezahlt werden. Von der Fürleiti waren nur die Schwyzer und Unterwaldner befreit.
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Strus- oder Teilfuhr
Strus- oder Teilfuhr - Vorteile für den Säumer Die Säumergenossen hatten auf ihren Strecken das Transportrecht, ein Privileg, welches ihnen eine monopolartige Stellung verlieh (Strusfuhr). Die Strecke der Ursner Säumer reichte bis zur Passhöhe. die Flüeler führten bis Silenen, die Silener bis Wassen, und die Wassner bis Ursern. Die Säumer waren auch verpflichtet, die Güter zu befördern, damit die Kaufleute nicht warten mussten. Darüber hinaus oblag ihnen der Unterhalt von Weg und Steg, wobei die gesamte Genossame subsidiär im Hintergrund stand. Der Säumer konnte abends wieder heimkehren und seinen Landwirtschaftsbetrieb besorgen. Zudem konnte in der jahreszeitlichen Verhältnissen das Verkehrsmittel (Schlitten) auf den einzelnen Streckenabschnitten besser angepasst werden. Die Teilfuhr bestand bis ins 19. Jahrhundert.
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Susten
Für den sicheren Warentransport waren die Susten unentbehrlich, wo die Kaufmannsgüter eingelagert werden konnten und vor Wetter und Diebstahl geschützt waren. In Uri bestanden folgende Susten: - Flüelen - Silenen - Wassen - Andermatt 1806 wurde auf dem Altdorfer Lehnplatz die Kantonalsust eröffnet (heutiges Zeughaus). Diese verlor jedoch nach Eröffnung der Gotthardstrasse schnell an Bedeutung.
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Teiler
Die Säumergenossenschaften wurden von den Teilern geleitet, die jedem Säumer die Saumlasten zuteilten, die Spedition überwachten, die Abrechnung mit den Kaufleuten besorgten und die Fuhrlöhne aus zahlten.
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EREIGNISSE ZUM SÄUMERWESEN

1440  / Montag, 30. März 1440
Gesuch um Erhöhung der Saumlasten
Auf Ansuchen von Uri gestatten Luzern, Schwyz, Unterwalden und Zug, dass der Zollner von Göschenen zu den vier Ledinen (Saumlasten), welche seit jeher wöchentlich über den Gotthard gehen, jede Woche noch weitere vier bis auf Widerruf hinübergehen lassen möge. Doch soll dieses Quantum jede Woche bezogen, nicht aber zusammengespart werden.
Gisler Friedrich, Urner Geschichtskalender, Band 1, S. 15.
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1440  / Montag, 30. März 1440
Quantum der Gotthardpassierenden wird erweitert
Luzern, Schwyz sowie Ob- und Nidwalden gestatten auf Bitte von Uri, dass der Zollner von Göschenen zu den vier Ledinen, welche von Alter her wöchentlich über den Gotthard gehen, jede Woche noch weitere vier hinüber gehen dürfen, bis auf Widerruf. Das Quantum muss jedoch jede Woche bezogen und darf nicht zusammengespart werden.
Eidgenössische Abschiede, Band II, S. 139.
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1618  / Montag, 22. Oktober 1618
Protest gegen zu hohe Stallmieten
Da der Handelsverkehr über den Gotthard durch die Erhöhung der Stallmieten sehr erschwert wird, ersuchen die an der Konferenz in Luzern vertretenen Orte, dass Uri diesbezüglich Milderung verschafft.
Gisler Friedrich, Urner Geschichtskalender, Bd. 1, S. 52.
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1647  / Dienstag, 3. Dezember 1647
Innerschweiz fordert Erlaubnis für Weinfuhren auch an Sonntagen
Die Dreiörtige Konferenz in Brunnen beauftragt die nach Luzern abgeordneten Gesandten , mit dem Nuntius zu verhandeln, ob es nicht möglich wäre, dass nach dem Wortlaut der Bulle Papst Urban VIII. die Weinfuhren an Sonn- und Feiertagen über den Gotthard passieren können, ohne Strafe und Bann der Priester an dieser Strasse ausgesetzt zu sein.
Gisler Friedrich, Urner Geschichtskalender, Bd. 1, S. 60.
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1778  / Mittwoch, 14. Januar 1778
Säumerkolonne kommt in Lawine
Ein Säumer zieht mit einem halben Dutzend beladenen Saumpferden von Ursern nach Altdorf. In der Schöllenen wird die Kolonne von einer Lawine erfasst, die den Säumer und das erste Ross in die Reuss hinunterschlägt. Den Mann hat man nie mehr gefunden.
Schaller-Donauer Alfred, Chronik der Naturereignisse im Urnerland 1000 – 1800, S. 96.
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1799  / Sonntag, 17. März 1799
Talleute werden als Lasttiere benutzt
Unterstatthalter Meyer klagt dem Direktorium in einem seiner zahlreichen Beschwerdebriefe, dass seine Talleute nicht als Menschen, geschweige denn als Bürger, sondern als Lasttiere behandelt werden. Bald zu 150, bald zu 60 Mann müssten sie Mehl, Brot und „Cartuchen“ (Munitionsbehälter) über Schnee und Eis und Gebirge sechs volle Stunden bis nach Disentis tragen.
Arnold, Helvetik, S. 185 f.
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GESETZESBESTIMMUNGEN ZUM PASS- UND SAUMVERKEHR

LB I Art. 233
Von den Fürleiten
Das Landbuch des Kantons Uri, 1820-1841
Passwesen, Fuhrleute und Schifffahrt / Passwesen
«Die Fürleite von Sillenen, Waffen und Göschenen laut Brief sind bestätiget, ingleichem auch die von Alldorf und Fluelen, und sollen sie dieses Geld, wohin sie wollen, verwenden mögen.»
Ergänzungen siehe unter «Zoll- und Passwesen» > LB UR 1842 Bd 3, S. 70-120.

01.01.1823- / LG 1608, 1668, 1726; LB UR 1823 Bd I S. 213 / Siehe: LB UR Bd III 1827-40 (S.70-119)
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LB I Art. 234
Sust- und Passordnung
Das Landbuch des Kantons Uri, 1820-1841
Passwesen, Fuhrleute und Schifffahrt / Passwesen
«Es soll eine allgemeine Sust in Altdorf seyn, und der Landrath ist bevollmächtiget, sowohl eine Paß-Commission, als die erforderlichen Sust- Beamteien zu ernennen, und ihre Verrichtungen zu bestimmen, als überhaupt eine angemessene Sust- und Paßordnnng einzuführen.
Es sollen alle Käse, ehe sie nach Italien verschickt werden, in die Sust verlegt, nicht aber von Partikularhäusern oder Speichern weggeführt werden. Es soll auch alles ankommende Reis u. d. g. nicht zu Privathäusern, sondern direkte in die Sust geführt, da von den Sustbeamteten und Zeichen abgenommen, die Waar verifiziert, und nicht nur überhaupt das Quantum angegeben und angenommen werden. Alles bey Gl. 5 Buß von jeder Käspale oder Reissack, wovon dem Kläger 1/3 zukommen soll.»

Ergänzung vom 4. Mai 1823 (Beschluss Landsgemeinde)
«Der w. w. Landrath ist neuerdingen beauftragt, und bevollmächtigt, dafür zu sorgen, daß unser Kanton übernehme und sich verpflichte, die Waaren durch unser Gebieth gehörig zu transportiren, und daß solche sowohl sicher als schleunig durchgeführt, und die Transport-Mittel, soviel möglich, gemeinnützig gemacht werden, und daß auf diese Grundlage hin die angemessenen Paß- und Transit-Ordnungen getroffen, und in Ausübung gebracht werden.»

01.01.1823- / LG 1804, 1807;LB UR 1823 Bd I S. 213 / LG 4.5.1823; LB UR 1826 Bd 2, S. 24.
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LB I Art. 235
Transit von Getreide
Das Landbuch des Kantons Uri, 1820-1841
Passwesen, Fuhrleute und Schifffahrt / Passwesen
«Von dem Getreide, so nach Italien oder anderwerts hindurch den Kanton transitiert, ist Zoll- und Sustgebühr zu beziehen, alles übrige Getreide ohne Ausnahm hat die Kaufhausgebühr zu entrichten.»
01.01.1823- / LG 1804, 1807; LB UR 1823 Bd I S. 213 f.
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LB I Art. 236
Beschwerden gegen Sustbeamte
Das Landbuch des Kantons Uri, 1820-1841
Passwesen, Fuhrleute und Schifffahrt / Passwesen
«Wer einige Reklamationen oder Forderungen wegen Waar oder andern die Sustbeamtung betreffenden Sachen gegen die Sustbeamen zu machen hat, soll solches innert Jahrfrist nach dem Ausgang der Waar aus der Sust thun; indem nachher Hierinfalls Niemand mehr Red und Antwort schuldig ist.»
01.01.1823- / LG 1808; LB UR 1823 Bd I S. 214.
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LB I Art. 237
Appellation gegen Entscheide der Passkommission
Das Landbuch des Kantons Uri, 1820-1841
Passwesen, Fuhrleute und Schifffahrt / Passwesen
«Die Appellationen über die von der Paß- Kommission gegebenen Sprüche und Urtheile an das w.w. Gericht, sollen von Landleuten oder im Kanton Wohnenden in 14 Tagen, von andern Eidgenoßen in Zeit eines Monats, und von den außer der Eidgenoßenschaft Wohnenden in Zeit 4 Monaten gelegt werden müssen; ansonst der Spruch in Judicatum erwachsen seyn, und es dabey verbleiben solle. Sollte es sich aber zeigen, daß die Appellanten in dieser Zeit nicht hätten kommen können, solle die Paßkommission hierüber den erforderlichen Untersuch machen.»
01.01.1823- / LR 1808; ; LB UR 1823 Bd I S. 215.
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LB I Art. 238
Vom Schreiber der Passkommission
Das Landbuch des Kantons Uri, 1820-1841
Passwesen, Fuhrleute und Schifffahrt / Passwesen
«Die Paßkommission soll ihren eigenen Schreiber haben, dem für jede Sitzung 10 Bz. Gehalt gegeben werden, und daneben mag er von den Sprüchen und Urtheilen, die von den Partikularen herausgenommen werden, von jedem 2 Batzen beziehen.»
01.01.1823- / LR 1807; LB UR 1823 Bd I, S. 215.
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LB I Art. 239
Bildung einer Entschädigungskasse
Das Landbuch des Kantons Uri, 1820-1841
Passwesen, Fuhrleute und Schifffahrt / Passwesen
«Es solle die laut Paßordnung zu bildende Entschädigungskaße auf Gl. 2000 gebracht, und dann, wenn sie auf diese Summe gestiegen, für Verunglückung von Waar auf unserer Strasse nach Italien oder zurück angemeßene Entschädigungen daraus gegeben werden.»
Ergänzungen siehe unter «Zoll- und Passwesen» > LB UR 1842 Bd 3, S. 70-120.

01.01.1823- / LR 1813; LB UR 1823 Bd I, S. 215 f. / Siehe: LB UR Bd III 1827-40 (S.70-119).
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LB I Art. 240
Pflichten der Säumer
Das Landbuch des Kantons Uri, 1820-1841
Passwesen, Fuhrleute und Schifffahrt / Säumer und Fuhrleute
«a) Die Saumpferde mögen nicht ins Pfand gegeben, noch verschrieben werden, und sind das erste Unterpfand für die führende Waar laut Paßordnung.
b) Die Säumer und Fuhrleute sollen gute Decken von Harztuch haben, und die Waar wohl conditionirt in die Sust oder andere Bestimmung bringen, und vorsichtig und sorgsam behandeln bey Verantwortlichkeit und gesetzlicher Buß, und die Dorfgerichte so wie die Bezirks- Regierung in Ursern sollen hierüber sorgfältig wachen, und sich verwenden, daß dieses beobachtet und befolgt werde. Auch solle zu unbestimmten Zeiten an den Orten am Paß hierüber nachgesehen werden.
c) Die Säumer sollen abtheilen, daß nur die Hälfte zur Sommerszeit die Pferde auf die Alpen und Weiden treibe, und die andere Hälfte zum Dienst des Paßes da sey und sollen die betreffenden Dorfgerichte diese Abtheilung veranstalten, und darauf achten, daß sie befolgt werde.»

01.01.1823- / LG 1808; LB UR 1823 Bd I, S. 216 f.
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LB I Art. 241
Gebrauch der Deichselwagen
Das Landbuch des Kantons Uri, 1820-1841
Passwesen, Fuhrleute und Schifffahrt / Säumer und Fuhrleute
«Alle Fuhrleute, die zum Marktnauen fahren, so wie alle die Kaufmanns-Waar in und aus der Sust führen, sollen zur Schonung der Straßen Deichselwägen gebrauchen bey Gl. 5 Buß von jedem Mal, und so einem am Wagen etwas bräche, soll er es dem Hr. Landseckelmeister anzeigen, und um Erlaubniß ansuchen, mit einem andern Wagen zu fahren; Hr. Seckelmeister wird sich über die Wahrheit der Angabe erkundigen, und so dieselbe unstatthaft wäre, solle der Fuhrmann in die Strafe verfällt werden.
Die Sustbeamten sollen auch keine Ladung denen geben, die mit 2 Pferden ohne Deichsel und ohne bescheinigte Erlaubniß vom Seckelmeister Waar laden wollten.»

01.01.1823- / LG 1804, 1805; LB UR 1823 Bd I, S. 217.
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LB I Art. 242
Vorschriften für Fuhrleute und Karrer
Das Landbuch des Kantons Uri, 1820-1841
Passwesen, Fuhrleute und Schifffahrt / Säumer und Fuhrleute
«Die Fuhrleute und Karrer sollen bey den Pferden gehen, und gehörig fahren, daß nichts an Mauren und Hägen, noch an Nebenbesetzenen verderbt werde, und so einer mit einem Fuhrwerk über eine Nebenbesetze fahren, oder sonst daran oder an Mauren und Hägen etwas beschädigen würde, soll er nebst vollem Schadenersatz Gl. 5 bestraft werden, wovon die Hälfte dem Angeber zukommt, und bleibt der Eigenthümer des Fuhrwerks, wenn schon ein Knecht fahrt, für den Ersatz sowohl als die Strafe verantwortlich.»

Ergänzung vom 19. Oktober 1839 (Beschluss Landrat)
«Landammann und Rath des Kantons Uri.
In Betracht, daß die zur Beschränkung des unbescheidenen Fahrens mit Kutschen und Gefergen durch die Dörfer unterm 30. Juni 1838 erlassene Anordnung sehr nachlässig beobachtet wird, und in Erwägung, das die Handhabung dieser Anordnung zur Sicherheit der Personen und zur Verhütung trauriger Unglücksfälle nicht anders als sehr nothwendig ist, in Auffrischung und Verschärfung derselben beschließen und verordnen hiemit:
1) Es sei den Kutschern und Fuhrleuten das Fahren mit Kutschen und anderen Fuhrwerken jeder Art durch die Flecken und Dörfer hiesigen Kantons anders als schrittweise untersagt und verboten.
Der Uebertreter dieser Verbote verfällt nicht nur in die unnachläßliche Geldbuße von Fr. 2 von jedem Male, von welcher dem Ankläger die Hälfte zu kommt, sondern ist auch für allen dadurch entstehenden Schaden und Unglück verantwortlich.
2) Die löbliche Finanz - und Polizeikommission ist mit Vollziehung und Handhabung dieser Anordnung beauftragt, und sämmtliche Polizeiangestellte des Kantons sind besonders verpflichtet, über deren Befolgung zu wachen und die Fehlbaren zu verzeigen.
3) Die gegenwärtige Verordnung soll gedruckt, dem amtlichen Wochenblatt beigerückt, in sämmtlichen Gemeinden verlesen, und an geeigneten öffentlichen Orten sowohl, als in allen Gasthäusern angeschlagen werden, und an letztem Orten bei Verantwortlichkeit der Wirthe immerwährend angeschlagen bleiben.»

Ergänzung vom 31. Dezember 1841 (Beschluss Landrat)
«Landammann und Rath des Kantons Uri.
In Betracht, daß eingeschlichene Mißbräuche bei Befahrung des St. Gotthards zur Winterszeit eine Auffrischung und theilweise Verschärfung der unterm 16 Hornung 18Z9 und 19. Christmonat 1840 erlassenen Verordnungen erforderlich machen, Auf den Vorschlag der wohll. Kantonal-Straßen-Commission beschließen und verordnen hiemit:
1) Die Fuhr- oder Schlittenknechte sind verpflichtet zur Winterszeit bei guter Morgenstunde nach dem St. Gotthard abzufahren, um von da, wenn Wind und Wetter es nicht verunmöglichen, wieder beim Tage zurück kehren zu können; indem sie sowohl im Hin- als Herfahren so viel möglich einen Zug bilden, um bei sich darbietender Gefahr zu gemeinsamer Hülfe bereit zu sein.
Es sollen demnach diejenigen Schlittenknechte, welche erst nach 10 Uhr Vormittags mit Kaufmannsgürern bei der Zollstätte in Hospenthal vorbeifahren, für jedes Mal und jeden Schlitten in die unnachläßliche Geldbuße von Fr. 1 verfallen seyn, insofern sie keine wichtige und begründete Ursache der Verspätung darzuthun im Falle sind.
Da es Fälle geben kann, wo die Witterung ungünstig ist, und sich erst etwa gegen Mittag besssert und zum Fahren eignet; so ist in diesem Falle der die Aussicht über den Berg Führende auch noch Vor-Ochsen schicken zu können berechtigt; wo dann aber diejenigen, so diesen nachfahren wollen, alsogleich, bei obiger Buße nachfahren sollen.
2) Die den St. Gotthard befahrenden Fuhrleute, seien es Eilfuhrenführer oder andere, sind gehalten, sich durch den Bergherrn in Abtheilungen nach Billigkeit theilen zu lassen und je abwechselnd eine Abtheilung einen Tag vorauszufahren, bei Fr. 3 Buße. Als Grundlage dieser Vertheilung wird angenommen, daß die Eilfuhr zu 3 Tage, während die übrigen Fuhrleute einen Tag vorauszufahren haben.
3) Der Bergherr ist berechtigt, sobald sich bedeutende Gefahr wegen Lauwinen, wegen vielem Schnee besonders bei einigermaßen ungünstiger Witterung auf einigen Straßenstrecken zeigt, nach Gutfinden zur größern Sicherheit die sogenannten alten Winterstraßen befahren zu lassen. Der Bergherr wird gleichzeitig dafür sorgen, daß die Wegknechte sich nicht als Schaufelknechte für Privaten gebrauchen lassen; sondern genau ihren aufhabenden Pflichten in ihrer Bestimmung entsprechen.
4) Jeder Schlitten soll stets fort von einem tauglichen Schlittenknechte versehen und begleitet seyn, und von einem einzigen Mann nie mehr als ein Schlitten bedient werden mögen, und zwar bei einer Geldbuße von Fr. 2 von jedem Mal.
Die gleiche Vorschrift dehnt sich auch auf die Fuhrleute überhaupt längs der ganzen Route aus, indem bei gleicher Buße jedes Fuhrwerk stets von einem tauglichen Fuhrmann begleitet sein soll.
5) Bei gleicher Buße von Fr. 2 liegt jedem Schlittenknechte ob, an den nöthigen Stellen die Ringe oder Ketten unterzulegen.
6) Die Ueberwachung dieser Verordnung und die unverzügliche Verzeigung der Fehlbaren liegt dem Bergherrn, und betreffend den Art. 1 auch dem Zoller in Hospenthal bei eigener Verantwortlichkeit ob. Die Kantons-Straßen-Commission ahndet die Fehlbaren und von jeder Buße wird die Hälfte dem Anzeiger verabfolgt.
7) Die gegenwärtige Verordnung soll dem amtlichen Wochenblatt beigedruckt und in Hospenthal und Andermatt verlesen werden.»

01.01.1823- / LR 1817; LB UR 1823 Bd I S. 218; LR 19.10.1839, 31.12.1841; LB UR 1842 Bd III, S. 121-124.
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LB I Art. 243
Warentransport an Sonn- und Feiertagen
Das Landbuch des Kantons Uri, 1820-1841
Passwesen, Fuhrleute und Schifffahrt / Säumer und Fuhrleute
«Wenn Säumer oder Karrer sich erfrechen würden an Sonn- oder den höhern Feyertagen zu führen oder andere Güter für Eilgüter anzugeben, sollen sie nach aller Schärfe bestraft werden. Wenn Eilgüter müssen geführt werden, sollen sie einen Erlaubnißschein vom Pfarrer der Gemeinde, wo sie laden, begehren, um denselben in andern Gemeinden aufweisen zu können, und zwar bey Gl. 10 unnachläßlicher Buß, wovon ½ dem Angeber zukommen soll.»

Ergänzung vom 24. Oktober 1835 (Beschluss Landrat)
«Nachdem wir in Erwägung sowohl des schon von der h. Landesgemeinde 1823 erhaltenen Auftrages für sichere und schleunige Verführung der Transitgüter zu sorgen, als der, durch das mit den l. Ständen, Luzern, Solothurn, Basel und Tessin im Jahre 1826 abgeschlossene Koncordat übernommenen Verbindlichkeiten, Alles zu veranstalten, was zu diesem Zwecke führen kann,
In Beherzigung, daß derselbe nur durch Anordnung gemeinsamer und durchgreifender Maßnahmen erreicht werden kann, und daß ohne dieses die so vielen und großen Opfer unwiederbringlich verloren gehen würden,
Folge leistend den wiederholten und ernstlichen Aufforderungen der mit konkordirenden Stände, die nicht minder als wir die bedeutendsten Aufopferungen zur Bezweckung der Wiederaufnahme des Transites über den St. Gotthardt sich haben gefallen lassen,
In Betracht das zu Folge erhaltener daheriger Bewilligung die Verführung an Sonn- und Feiertagen sowohl auf den übrigen Gebirgspässen als in den mit uns konkordierenden Ständen bereits stattfindet,
In Betracht, daß eine theilweise Begünstigung nicht nur keinen Vortheil bringen kann, sondern viel mehr zu Verwickelungen und Hemmungen Anlaß geben müßte, wovon häufige Beweise keineswegs fehlen. Uns vereint mit der h. Regie- rung des Standes Tessin direkte an S. Päpstliche Heiligkeit mit der Bitte gewandt haben, daß auch in beiden Kantonen Uri und Tessin der Verführung der Transitgüter an Sonn- und Feiertagen von Seite der geistlichen Behörden kein Hinderniß in den Weg gelegt werden möchte,
Nachdem uns in der Zwischenzeit durch die Regierung des Standes Tessin, ein in einem dortigen geistlichen Archive aufgefundenes Jndult von Pabst Paul V. dat. den 20. März 1617 mitgetheilt wurde, nach welchem diese Bewilligung dem Stande Uri und seiner Landschaft (damals Lifenen) in gleichem Maße wie sie jetzt verlangt wurde, schon ertheilt war,
Nachdem sowohl laut amtlicher Mittheilung der Regierung des Standes Tessin, als derjenigen des bischöflichen Ordinariats von Chur durch die Vermittlung des Hochw. Herrn Commissarius Seine Heiligkeit Gregor XVI. unsre Bitte zu gewähren geruht hat, mit dem Beisatze jedoch, daß Aergernisse möglichst verhindert werden und der Heiligung der Festtage nicht mehr Abbruch geschehe, als die Nothwendigkeit erfordert,
Beschließen und verordnen:
I. Alle Transitgüter ohne Ausnahme, worunter nämlich jene Kaufmannsgüter gerechnet werden, welche einen Kanton ganz durch ziehen, mögen an Sonn- oder Feiertagen frei verführt werden.
II. Diese Bewilligung dehnt sich jedoch nicht aus auf nachbenannte Feste, an welchen die Verführung der Kaufmannsgüter untersagt bleibt, insofern es nicht Eilgüter sind, da dieselben auch an diesen Tagen verführt werden mögen, als heil. Weihnachtstag, drei Königen, dem heil. Ostertag, der Himmelfahrt Christi, dem Pfingst- und Frohnleichnamsfest, Maria Himmelfahrt und Allerheiligen.
III. Das Auf- und Abladen soll wo immer möglich vor oder nach den Festtagen geschehen, und jedenfalls hiebei, so wie auch im Fahren den Hauptgottesdiensten geschont, jedes Aufsehen und jeder Lärm sorgfältig vermieden werden.
IV. Von dieser Bewilligung bescheidenen Gebrauch zu machen, wird sowohl den Versendern von Waaren, als den Fuhrleuten bestens empfohlen, und es sind die Fuhrleute von der schuldigen Anhörung der heil. Messe keineswegs losgesprochen.
V. Der Art. 243 welcher das Verführen der Kaufmannsgüter, an Sonn-und Feiertagen verbietet, ist hiemit und zwar auch für die Verführung derselben auf dem See abgeändert.
VI. Alles Führen für den innern Verkehr ist in dieser Bewilligung nicht begriffen, sondern bleibt fernerhin an Sonn, und gebotenen Festtagen verboten.
VII. Den resp. Dorfgerichten wird die gute Aufsicht für Handhabung dieser Verordnung nachdrucksamst empfohlen, und dieselben sind pflichtig, Dawiderhandelnde dem w. w. Rathe anzuzeigen damit dieselben mit der hiefür aufgesetzten Strafe von Gl. 13 belegt werden können.
VIII. Diese Verfügung soll öffentlich verlesen, und an den gewohnten Orten angeschlagen werden.»

01.01.1823- / LR 1720, LG 1716; LB UR 1823 Bd I S. 218 / LR 24.12.1835; LB UR 1842 Bd III, S. 125-128.
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Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / Letzte Aktualisierung: 06.03.2021