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Uri

Lurche in Uri





Lurche
lateinischer Name:
Urner Dialekt:
Bestand:

(Lurche)
Literatur:

KRANKHEITEN

Chytridiomykose

EREIGNISSE

1533  / Dienstag, 24. Januar 1533
Frösche, Schnecken und Donner
Vor St. Pauli Bekehrung werden die Frösche und Schnecken sichtbar und einen Monat später donnert es.
Schaller-Donauer Alfred, Chronik der Naturereignisse im Urnerland 1000 – 1800, S. 35.
     
1967  / Montag, 23. Januar 1967
Der Froschfang wird verboten
Da der Bestand an Fröschen ständig zurückgeht, beschliesst der Urner Regierungsrat, den Froschfang auf Urner Gebiet zu verbieten.
Abl UR 1967, S. 79.
     

WEITERES (L)URCHIGES


     
Alraune
Die im Volksglauben bekannteste Heil- und Ritualpflanze war die Alraune, die menschenähnliche Wurzel des Nachtschattengewächses Mandragora (Mandragora officinarum, im Mittelmeerraum vorherrschend, althochdeutsch alrûna = altgermanische, mythische Wesen, die im Geheimen wirken). Nördlich der Alpen war die sagenumworbene Pflanze selten und dementsprechend begehrt.

Über die Wurzel mit ihrer menschenähnlichen Form entstanden bisweilen exotische Ansichten: Alraunen fand man unter einer dreigipfligen Haselstaude, an der eine Mistel wuchs. Sie lag so tief im Boden, wie die Mistel über der Erde sass.

Die Alraune wurde auch «Galgenmännchen» genannt, denn nach der Legende wuchs sie auf dem Galgenhügel aus dem Sperma eines gehenkten Diebes. Eine andere Legende besagte, dass die Alraune beim Herausziehen aus der Erde einen so schrecklichen Schrei ausstiess, dass jeder, der ihn hörte, auf der Stelle starb. Die Mandragora zu finden war das eine, die Pfahlwurzel aber zu ergattern das andere. Das Ausreissen war nämlich mit lebensbedrohenden Gefahren und deshalb mit einem ganz besonderen Ritual verbunden: Um sie zu gewinnen, ging man in der Johannisnacht (24. Juni) zur Geisterstunde (24 Uhr) mit einem schwarzen Hund an die besagte Stelle und verstopfte sich zuerst die Ohren mit Wachs. Nun grub man rund um die Pflanze ein Loch, bis fast die ganze Wurzel frei war. Dann umwickelte man sie mit einer Schnur und band das andere Schnurende an den Schwanz des Hundes. Man schlug drei Kreuzzeichen über die Alraune, hielt dem Hund ein Stück Brot vor den Mund und sprang eiligst davon. Der Hund wollte den Bissen schnappen und riss die Wurzel aus dem Boden. Die Alraune stiess einen jämmerlichen Schrei aus, an dem jeder, der ihn hörte, starb. Der Hund starb auf der Stelle, als stellvertretendes Opfer dessen, der die Pflanze nahm.

Die Alraune galt als kostbarer Schatz und wurde dementsprechend in Samt und Seide gebettet aufbewahrt. Innerhalb der Familie durfte sie nur vom Vater an den Sohn vererbt werden, der ihm dafür ein Stück Brot oder ein Goldstück in den Sarg legen musste. Andere Quellen besagen, dass man die Alraune jeden Samstag in Wein baden sollte, damit sie heilbringend blieb. Echte Wurzeln erzielten Höchstpreise. Oft boten Scharlatane angeblich echte Alraune zu Wucherpreisen an. Dabei handelte es sich aber meist um die Wurzel der Zaunrübe (Bryonia alba L.), des Gelben Enzians oder des Allermannsharnisch (Allium victorialis).

Die Alraune zog die Menschen seit der Antike in ihren Bann. Die menschenähnliche Gestalt der Wurzel und die Giftigkeit der Pflanze verstärkten ihre Rolle im Zauberglauben. Die Hoffnung reichte von der stark beruhigenden bis berauschenden und halluzinogenen, von der schmerzstillenden und abführenden bis hin zur aphrodisierenden Wirkung und dem Glauben, dass sie gegen Unfruchtbarkeit wirkte und eine leichte Geburt ermöglichte. Ferner verhalf sie zu Reichtum, Glück und Ansehen, schützte das Vieh vor dem Verhexen. Das Geld, das man ihr unterlegte, verdoppelte sich über Nacht. Sie half im Spiel, deckte Schätze auf, schützte vor Unfällen und der Pest, hielt Blitz, Feuer und den Teufel ab, beschirmte die Herden und verlängerte das Leben. Sie stärkte auch den Verstand und die Urteilskraft. In besonderem Masse half die Alraune auch im Liebesleben. Der Name Mandragora – vom persischen mardom ghiah (= Manneskraft) oder mehr-e-giah (= Liebeskraut) – führte zum Glauben an die aphrodistische Wirkung der Pflanze. Kein Wunder, dass die Alraune sehr begehrt war!

Als Amulett getragen, bewahrte sie vor Zauber, dem Bösen Blick und vor Verletzungen. Dem Besitzer versprach die menschenähnliche Zauberwurzel Glück und die Erfüllung geheimer Wünsche, machte Frauen fruchtbar und Männer unverwundbar. Wie die Tollkirsche, das Bilsenkraut und der Stechapfel war auch die Alraune ein Bestandteil der Hexensalben, die rauschähnliche Zustände verursachten. Daneben schützten sie vor Entzündungen, Geschwüren, Kröpfen, Schadenzauber und dem Albdrücken des «Toggäli». Gestalt, Giftigkeit und Seltenheit der Pflanze trugen dazu bei, dass sie in Sagen und Aberglauben oft vorkam.

In den Urner Sagen war die Alraune meist eine Kröte. Sie hatte die gleiche Wirkung wie die Pflanze; auch ihr konnte man Geld unterlegen, das sich dann verdoppelte. Darum nannte man in Uri die Alraune «Geldscheisser». Es war schwierig, eine Alraune wieder loszuwerden. Wenn sie in die dritte Hand kam, war der Besitzer dem Teufel verfallen.

Autor: Bär-Vetsch Walter, Kraft aus einer andern Welt, S. 28 ff. Literatur: Büchler-Mattmann Helene und Tschumi-Häfliger Hedy, Objekte erzählen Geschichten, S. 9; Niederberger Hanspeter, Hirtler Christof; Bann und Herrgottswinkel, S. 152, 155; Zihlmann Josef, Volkserzählungen und Bräuche, S. 28; Hofmann Lea, Schutz, in Zeichen zeigen, S. 67; „Suisse Primitive“, Forum der Schweizer Geschichte Schwyz, Museumsführer (2002); Watteck Arno, Amulette und Talismane, S. 31 f.

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Die Kröte im Volksglauben
Nach dem Volksglauben hatte die menschliche Gebärmutter die Gestalt einer Kröte. Bei Gebärmutterschmerzen brachte man Votivgaben, meist in Wachs gegossen, die die Gestalt von Kröten hatten, an Wallfahrtsorte. Als Amulett galt die Kröte für weibliche Liebeslust, Freundschaft und Fruchtbarkeit.

Kröten hielten sich oft im Keller auf. Vielleicht hatte man in alten Bauernhäusern darum eine Abneigung, in den Keller zu gehen. Ein Mittel gegen Kröten im Keller sah man darin, dass man am Palmsonntag mit der neuen Palme dreimal ums Haus ging und ein «Fiifi» betete.

Autor: Bär-Vetsch Walter, Aus einer anderen Welt, S. 368 ff.; Literatur: Zihlmann Josef, Volkserzählungen und Bräuche, S. 287; Watteck Arno, Amulette und Talismane, S.36.

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Fröschenzunft Seedorf
Die Fröschenzunft besteht seit 1951. 1952 erhielt man eine Vereinsfahne und es wurde ein Fähnrich gewählt. Im Jahre 1956 wurde ein Kredit von 50 Franken gesprochen, um den Zunftmeister mit einem würdigen Mantel einzukleiden. 1964 wurde die Anschaffung eines zweiten Zunftmantels in der Grösse XXL dem Zunftrat überlassen. Die Insignien des Zunftmeisters sind der grün-gelbe Mantel, der Stab, die Plakette und der Hut..
Foto: Ehemaliges Signet der Fröschenzunft; Literatur: Gisler-Jauch Rolf, Fasnächtliches Uri, S. 306.

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Froschschenkel
In die Fasnachts- und anschliessende Fastenzeit fiel auch der Froschfang. So wurde 1910 den Leserinnen und Lesern der Urner Zeitungen mitgeteilt, dass in Seedorf auf die Fasnacht schon Frösche serviert werden konnten. Langjährige Beobachter sollen zudem übereinstimmend einen sehr ausgiebigen Fisch- und Fröschenfang festgestellt haben, und man hörte, der Handel werde dieses Jahr aus hiesiger Gegend lebhafter betrieben als je, schon in der Absicht, die HH. Metzger zu mässigeren Fleischpreisen zu zwingen oder die Würste länger und besser zu machen. In den 1950er-Jahren wurde die Regierung von einem Leserbriefschreiber aufgefordert, das Fangen von Fröschen, das Feilbieten und Kaufen, Versenden sowie Verabreichen von Froschschenkeln in Gaststätten zu verbieten. Das Ausreissen oder Abschneiden der Schenkel an lebenden Tieren sei eine Tierquälerei. Der Froschfang wurde schliesslich im Januar 1967 verboten.
Literatur: GP 8/1910, 13/1954; RRB 23.1.1967, in: R-360-11/100 (8); Gisler-Jauch Rolf, Fasnächtliches Uri, S.40.

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Krötenmotiv als Votivplastik
In der Antike glaubte man, dass die Gebärmutter ein krötenähnliches Tier sei, das im Körper, vor allem von Schwangeren und Wöchnerinnen, biss, kratzte und um sich schlug und so der Frau Schmerzen verursachte. Landläufig wurde für die Gebärmutter der Begriff Bärmutter verwendet. Kröten aus Wachs oder Metall dienten als Amulette wie als Votive. Das Krötenamulett wurde gegen Frauenkrankheiten (z. B. Gebärmutterleiden, Unfruchtbarkeit, allgemeinen Unterleibsleiden, Brusterkrankungen) und für eine gute Geburt eingesetzt.

Autor: Bär-Vetsch Walter, Aus einer anderen Welt, S. 270; Literatur: Häner Flavio, Votivplastik, Seite 33; Kälin Detta; Anhängen, zeigen; S. 74.

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SAGENHAFTES ZU LURCHEN

«Fröschlein» heisst «Allrünäli»
«Und siehe! Kaum gedacht, hüpfte so ein kleines, grünes Fröschlein daher, das man im Aberglauben „Allarünä, Allrünäli“ nennt.»
Müller Josef, Sagen aus Uri, Sage 360.
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Arme Seele in Froschgestalt
«... Der sagte, es sei die Arme Seele eines Verstorbenen gewesen, der zu Lebzeiten eine Wallfahrt nach Einsiedeln versprochen und das Gelübde nicht gehalten habe. Zur Strafe habe er Froschgestalt annehmen müssen, sei jetzt aber erlöst.»
Müller Josef, Sagen aus Uri, Sage 611.
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Das Fröschchen, das reich macht
«Ein Bauer hatte ein Alrünli, das ist ein Tier wie ein Fröschchen; es hatte ihn reich gemacht.»
Müller Josef, Sagen aus Uri, Sage 357.
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Das Fröschen-Viertel in Erstfeld
«In des Tröschen Häuschen im Fröschenviertel zu Erstfeld war es nicht geheuer.»
Müller Josef, Sagen aus Uri, Sage 606.
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Der Frosch behütet drei Kisten mit Gold
«... sind drei Kisten mit Gold im Erdboden vergraben. Sie werden aber von einer Kröte oder von einem Frosch behütet.»
Müller Josef, Sagen aus Uri, Sage 389 1.
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Der Frosch wird ans Kreuz geheftet
«Der Pater packte den Frosch und heftete ihn samt Umhüllung (oder in ein Kelchtüchlein eingewickelt) an das grosse Kruzifix zu Füssen des Gekreuzigten.»
Müller Josef, Sagen aus Uri, Sage 355 a.
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Die Schwierigkeit, eine Alraune los zu werden
«... Er (das Bäuerlein) klagte ihm (dem Mandli) seine Bedrängnis und erhielt den Rat, er solle einen bestimmten Ort aufsuchen, den ihm das Mandli genau bezeichnete, dort werde er einen grünen Frosch (nach andern: eine Kröte) finden; den solle er in ein Lumpli einwickeln, mit nach Hause nehmen und ihm dort ein Geldstück unterlegen, so werde er am nächsten Tag das Doppelte wegnehmen können. ... Lange besann sich der Pater und schien keinen Ausweg zu finden. Endlich sprach er ein erlösendes Wort und nahm dem Bäuerlein den Stein vom Herzen: „Bringet die Alraune morgen abends, in ein Lumpli fest eingewickelt, hieher an die Pforte; ich werde dann bereit stehen und euch öffnen; werfet sie blitzschnell hinein, schliesst die Türe und macht euch davon! Aber ich fürchte, es wird schwierig sein.“ ...»

«Nach anderer Darstellung hatte er die Kröte in der Heiligen Nacht, während es zur Wandlung läutete, unter einem Weisshaselbusch hervorgegraben.»

«Statt der Kröte oder des Frosches eine Spinne.»

Müller Josef, Sagen aus Uri, Sage 355 a-c.
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Ein Frosch wird mit Blut gehirtet
«Allarünä sind grasgriäni Freschli, mä findet-s' mängisch mitzt i dä Mattä-n-innä und mängisch a dä Haselstüdä. Da hennt-si alligs g'seit, diä tiäget Gäld schyssä.»

«... und da erzählte es, es habe jeden Morgen einen Frosch mit Blut zu hirten. Das gefiel den gottesfürchtigen Eltern nicht, und sie liessen die Tochter nicht mehr in diesen Platz zurückkehren»

Müller Josef, Sagen aus Uri, Sage 359 1, 3.
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Feuerspeiender Frosch
«... Das nächste Mal gab er dem Tiere zwei Streiche, warf aber erschreckt das Rütchen weg, als der Frosch plötzlich anschwoll und Feuer spie, und lief davon. ... »
Müller Josef, Sagen aus Uri, Sage 390.
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Frosch folgt den Walsern
«Eine Gesellschaft Walser pilgerte durch Uri zu Fuss nach Einsiedeln. Einem unter ihnen hüpfte beständig ein Frosch nach. In Einsiedeln schlüpfte das Tier unter die hinterste Bank der Kirche und wurde nie mehr gesehen.»
Müller Josef, Sagen aus Uri, Sage 611.
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Frosch und Kröten sind Arme Seelen
«Das hed yserä Vatter mängsmal g'seit, mä sell kei Chrott, kei Fresch, iberhäut keis Tierli nie plagä, das syget Armi Seelä“, erzählt eine Köhlerstochter aus dem Maderanertal.»
Müller Josef, Sagen aus Uri, Sage 1090.
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Jungfrau mit Fröschlein auf dem Schosse
«... und ging dem Gesange nach und fand bald eine blühende Jungfrau, die auf einer Geldkiste sass und ein Fröschlein auf ihrem Schosse trug.»
Müller Josef, Sagen aus Uri, Sage 390.
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NOCH MEHR FAUNA

Die Naturforschende Gesellschaft Uri unterhält eine ausführliche und interessante Webseite zur Fauna des Kantons Uri. Nebst vielen wissenschaftlichen finden sich dort auch Fotos und eine Liste der Fundorte.

> www.fauna-uri.ch

 

 

 

Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / Letzte Aktualisierung: 6.6.2019