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Uri

Ziegen in Uri

lateinischer Name: capra
Urner Dialekt: Gäiss, Gitzi (Junges)

Bezeichnung: Geiss (w), Bock (m), Zickchen (j);

Die Ziege gehört in die Gattung der Hornträger. Sie ist ein Paarhufer und Wiederkäuer. Sie sind robust gebaute Tiere mit kräftigen Gliedmassen und breiten Hufen. Auffällig ist ein Bart, der bei den Männchen deutlich länger ist. Beide Geschlechter tragen Hörner (beim Weibchen kurz und dünn; beim Männchen kräftig nach hinten gebogen).

Bestand: Die Ziegen waren mit einem Bestand von über 13‘000 Ziegen um 1860 die häufigste Nutztierart in Uri. Heute gibt es in Uri rund 2‘000 Ziegen.

Weideplätze: Für Ziegen wie auch für die Schafe sind die höchsten Weideplätze (Geissweiden) zugedacht. Sie sollen dadurch dem Rindvieh nicht schaden. Das Weiderecht ist bis am 16. Oktober gestattet. Auf rund 60 Geissweiden (Schafalpen) werden so rund 1'550 Ziegen (2009) gehalten.

Ziegenhaltung: Die Ziegen waren einst, gleich wie die Schafe, eine wichtige Ergänzung der Grossviehhaltung. Die Ziege war die „Kuh des kleinen Mannes“. Es mussten dann vermehrt Vorschriften zur Regelung der Geissweide erlassen werden. Die Rindviehweiden waren ausgeschöpft. Die Geissweide war die einzige Möglichkeit, die Existenzgrundlage für die wachsende Bevölkerung auszuweiten. Mancher Allmendgenosse konnte einzig vom Kleinvieh leben. Die Ziegenbauern waren die unterste Schicht in der bäuerlichen Bevölkerung. Ihre Häuschen und Ställe standen auf der Allmend, und ihre Tiere lebten im Sommer von der Geissweide und im Winter vom Wildheu. Benachbarte Bauern und Ziegenbauern schlossen sich zu Hirtenen zusammen (vor allem Gurtnellen, Maderanertal und Schächental). Der „Geissbub“ führte die Herde auf die Weide und kehrte abends mit ihr zur Zeit des Melkens in die Siedlung zurück. Die Ziegenhaltung verlor seit Ausgang des 19. Jahrhundert massiv an Bedeutung. Es boten sich Verdienstmöglichkeiten ausserhalb der Landwirtschaft (Gotthardbahn, Industrie, Tourismus) an. Die Einführung des eidgenössischen Forstgesetzes (1876) schränkte die Sommerhaltung ein. Ein weiterer Grund für die Abnahme dürfte die Schwierigkeit für eine zweckmässige Winterhaltung sein. Zudem gab es im Kanton keine Ziegenzuchtgenossenschaft. Dazu wurde es immer schwieriger, für die „Geisshirtenen“ die notwendigen Hirten zu bekommen. Im Unterschied zu Schafen fressen die Ziegen weniger selektiv und die für die Schafhaltung typische Vergrasung der Pflanzenbestände tritt bei den Ziegen nicht auf. Ziegen werden- wiederum im Gegensatz zu den Schafen - in der Regel gemolken. Ihre Haltung ist somit arbeitsintensiver.

Nutzung: Geisskäse, Fleisch „Geisslittli“, Ziegenmilch.


Seuchen bei Ziegen

Blauzungenkrankheit
Gämsblindheit
Lippengrind

Ziegenrassen in Uri

Burenziege



Herkunft, Geschichte: Ursprung in Südafrika, Abkömmling der Nubischen Ziege; in die Rasse wurden auch Ziegen aus Europa und Indien eingekreuzt;
Aussehen: überwiegend weiss, kräftiger Kopf mit Ramsnase, kinnlange Hängeohren; Kopffarbe rost-braun; alle möglichen Zeichnungen;
Grösse: Schulterhöhe Ziegen ca. 75 cm, Böcke ca. 90 cm;
Gewicht: Ziegen bis 75 kg, Böcke bis 130 kg;
Tragzeit, Junge: ca. 7 Monate, meistens 2;
Nutzung: Sie wird vor allem zur Fleischerzeugung gezüchtet. Wegen ihrer geringen Milchleistung wird sie nicht gemolken;
Häufigkeit in Uri: erfreut sich immer grösserer Beliebtheit;
Zuchtgenossenschaft in Uri: ---

     
Gemsfarbige Gebirgsziege



Herkunft, Geschichte: Gebirgsrasse; sehr robust; verträgt Kälte und Hitze über kurze Zeit recht gut;
Aussehen: zwei Schläge: hornlos und behornt (Uri); glattes, rehbraunes bis kastanienbraunes Fell mit schwarzen Abzeichen am Kopf, an den Beinen bis zum Kniegelenk reichend; feiner Aalstrich vom Kopf bis zum Schwanzansatz;
Grösse: Widerristhöhe Ziege ca. 75 cm, Bock ca. 85 cm;
Gewicht: Ziege ca. 55 kg, Bock ca. 75 kg;
Tragzeit, Junge: ca. 5 Monate, 2 Junge;
Nutzung: gute Milchleistung (750 Kilogramm);
Häufigkeit in Uri: rund 280 Herdebuchtiere (in der Schweiz die meist verbreitete Rasse; 2010);
Zuchtgenossenschaft: ZZG Urner Oberland.

     
Pfauenziege



Herkunft, Geschichte: Ursprung ist nicht bekannt: jedoch schon lange in Graubünden gezüchtet. Bezeichnung Pfauenziege soll auf einen Schreibfehler zurückgehen („Pfavenziege“, Dialektausdruck für Flecken). typische Gebirgsziege; robust, widerstandsfähig und marschtüchtig; klettert gerne, läuft viel, verträgt auch Minustemperaturen und ist genügsam;
Aussehen: Charakteristisch sind die schwarzen Flecken und dunklen Streifen von der Hornbasis über die Augen bis hin zur Nase; vordere Körperhälfte meist weiss mit schwarzen Stiefeln; hintere Körperhälfte vorwiegend schwarz mit weissen Oberschenkeln und weissem Schwanz; Haare kurz bis mittellang; gehörnt oder hornlos;
Grösse: Widerristhöhe Ziege ca. 75 cm, Bock ca. 85 cm;
Gewicht: Ziege ca. 60 kg, Bock ca. 85 kg;
Tragzeit, Junge: ca. 5 Monate, 2 Junge;
Nutzung: geringe Milchleistung (500 kg pro Jahr);
Häufigkeit in Uri: 30 Herdebuchtiere (2008), ihr Bestand ist gefährdet ("Pro Specie Rara").
Zuchtgenossenschaft in Uri: ---

     
Saanenziege



Herkunft, Geschichte: stammt ursprünglich aus dem Saanenland; die am weitesten verbreitete Rasse in der Schweiz; wird in zahlreiche Länder exportiert, um sie mit den dort einheimischen Rassen zu kreuzen (deutsche Edelziege);
Aussehen: reinweisse Ziege; Haare kurz und glatt anliegend; meistens hornlos;
Grösse: Widerristhöhe Ziege ca. 80 cm, Bockes ca. 90 cm;
Gewicht: Ziege ca. 60 kg, Bock ca. 85 kg;
Tragzeit, Junge: ca. 5 Monate, 2 Junge;
Nutzung: gute Milchleistung (750 Kilogramm pro Jahr);
Häufigkeit in Uri: 30 Herdebuchtiere (2010);
Zuchtgenossenschaft in Uri: ---

     
Toggenburger Ziege 



Herkunft, Geschichte: Die Toggenburger Ziege wird bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts erwähnt. Sie wurde in viele Länder exportiert und zur Kreuzung anderer Rassen verwendet (Thüringer-Wald-Ziege);
Aussehen: Farbe hellbraun bis mausgrau; hellere Streifen vom Ohrenansatz bis zum Maul; Umgebung des Mauls hell bis weiss; weisse Abzeichen an Gliedmassen und Schwanz; leichtes Mäntelchen über dem Rücken und an den Schenkeln; gehörnt oder hornlos;
Grösse: Schulterhöhe: Ziegen bis 75 cm, Böcke bis 85 cm
Gewicht: Ziegen bis 65 kg, Böcke bis 100 kg
Tragzeit, Junge: ca. 5 Monate, 1-2
Nutzung: gute Milchleistung (700 und 800 kg pro Jahr)
Häufigkeit in Uri: mit rund 300 Herdebuchtieren (2010) die meist gezüchtete Ziegenrasse im Kanton Uri.
Zuchtgenossenschaft in Uri: ZZG Schächental und Umgebung Häufigkeit: mit rund 300 Herdebuchtieren zurzeit (2010) die meist gezüchtete Ziegenrasse im Kanton Uri.
Zuchtgenossenschaft: ZZG Schächental und Umgebung).  

     
Walliser Schwarzhalsziege



Herkunft, Geschichte: Gebirgsziege, gut gegen Kälte geschützt; kann mehrere Tage kaum trinken und wenig fressen; eigenwillig; in jeder Herde eine führende Geiss;
Aussehen: Kopf, Vorhand und der halbe Mittelleib sind brandschwarz; schneeweisse hintere Körperhälfte; lange Haare (30-50 cm lang); beide Geschlechter behornt; schwarze Bärte;
Grösse: Widerristhöhe 70-80 cm, Böcke bis 85 cm;
Gewicht: ca. 55 kg Ziege, ca. 75 kg Böcke;
Tragzeit, Junge: ca. 5 Monate, 1-2 Junge;
Nutzung: Fleisch, nicht mehr gemolken;
Häufigkeit in Uri: Göscheneralp, ca. 15 Herdebuchtiere (2010);
Zuchtgenossenschaft: ZGG Urner Oberland.

     

Ereignisse mit Ziegen

1956  / Sonntag, 29. April 1956
Verbot des Weidgangs und Wildheuens am Geissberg
Die Gemeindeversammlung beschliesst, sofern die Verbauung und Aufforstung am Geissberg realisiert werden kann, ein Verbot zu erlassen, das jeglichen Weidgang und das Wildheuen im Verbauungsgebiet verbietet.
Kunz Ruedi, Die Ziegen um den Geissberg, S. 21.
     
2000  / Montag, 2. Oktober 2000
Urner Kleinviehasustellung in Altdorf
Hochbetrierb auf der Altdorfer Kornrütti: 370 Schafe und 226 Ziegen präsentieren sich in der Ausstellung bei misslichen Wetterbedingungen den Experten und Schaulustigen. Es sind so viele wie schon lange nicht mehr. Ein Grund ist sicherlich das 40-Jahr-Jubiläum des Urner Kleinviehzuchtverbandes. Die Experten loben den ausserordentlich hohen Zuchtstandard im Kanton Uri. Gesamtschweizerisch sei man ganz vorne dabei.
UW 78, 4.10.2000
     
2008  / Mittwoch, 31. Dezember 2008
Urner Ziege trotz Impfung an Blauzungenkrankheit erkrankt
Zweimal hat ein Urner Landwirt seine Ziegen impfen lassen. Trotzdem erkrankte ein Tier an einem seltenen Typ der Blauzungenkrankheit. Trotz tierärztlicher Behandlung verschlechterte sich der Zustand des Tieres so sehr, dass es nach zehn Tagen von seinem Leiden erlöst werden muss. Es handelt sich beim Fall in Uri mit grösster Wahrscheinlichkeit um den seltenen Typ Toggenburger Orbivirus handelt.
UW 2, 10.1.2009
     
2012  / Mittwoch, 3. Oktober 2012
Kleinviehschau
295 Schafe und 315 Ziegen (2011: 280/294) zeigen sich bei der Urner Kleinviehschau auf dem Areal Eyschachen von ihrer schönsten Seite. Zu den schönsten Schafen wurde der Widder Rolf von René und Remo Baumann aus Meien sowie Tier Salome von Thomas Epp aus Silenen. Bei den Ziegen trägt den Titel Miss Uri die Burenziege Bambi von Markus und Maya Kempf aus Seedorf, bei den Toggenburger Ziegen wurde das Tier Älpli von Josef und Martin Herger aus Seelisberg gekürt. Die Schönste bei den Gämsfarbigen Gebirgsziegen heisst Ziba und gehört Roger und André Kempf aus Isenthal. Zum ersten Mal nach vielen jahren ist die rasse der Walliser Schwarzhalsziegen an der Kleinviehschau vertreten - jedoch ausser Konkurrenz.
UW 78, 6.10.2012
     
2015  / Donnerstag, 31. Dezember 2015
In der Urner Viehzucht geht eine Ära zu Ende
In der Urner Viehzucht geht eine Ära zu Ende. Tino und Valo Gisler hören mit der Zucht von Spitzenkühen auf. Die Betriebsgemeinschaft der beiden Brüder zusammen mit Edwin Steiner, die GS Alliance, wird per Ende Dezember aufgelöst. Anfangs Jahr verlassen die gut 30 Kühe den international bekannten Betrieb in Bürglen. Auch Weltsiegerin «Decrausaz Iron O’Kalibra ». Edwin Steiner übernimmt alle Kühe, verkauft einige davon aber weiter. Der Vertrag war auf sieben Jahre befristet.
Ab nächstem Jahr stehen im Betrieb in Bürglen daher keine Kühe mehr, dafür Ziegen. Vor zwei Jahren haben die Brüder angefangen, Ziegen zu züchten. Untergebracht sind die Tiere bislang in einem Stall in Altdorf. Ab nächstem Herbst erhalten die Ziegen der Rassen Saanen, Toggenburger, Brienzer und Walliser Schwarzhals ein neues Zuhause in Bürglen.

UW 100, 31.12.2015, S. 5.
     

Weitere Ziegen

Der Ziegenbock in der Teufelssage



Ein Ziegenbock spielt in der Sage von der Teufelsbrücke in den Schöllenen eine Hauptrolle. Der Teufel wollte als Lohn für dessen Bau eigentlich die erste Seele, die über die Brücke kam. Er erhielt dann jedoch nur einen Ziegenbock. Der Ziegenbock wurde zusammen mit dem Teufel nach einer Vorlage von Heinrich Danioth (1896-1953) auf der Felswand verewigt.
    

Uris zurzeit schönste Ziegen

Miss Uri  - Toggenburger Ziege 
Merli
Josef und Martin Herger, Seelisberg
      
Miss Uri  - Burenziege
Bambi
Maya und Markus Herger, Seedorf
      

 

Gesömmerte Ziegen

 

 

 

Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / Letzte Aktualisierung: 18.5.2014