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Flugverkehr in Uri


9. Oktober 1921: Die Urner Bevölkerung kommt am Flugtag in Flüelen in näheren Kontakt mit einem Flugzeug. Pilot Walter Mittelholzer mit der Junkers F 13 am Gestade des Urnersees (Aufnahme Michael Aschwanden (StAUR Slg Bilddokumente D 00194 / 85'297).

Kaum hatte man sich in Uri mit dem Auto abgefunden, kam das neuste Verkehrsmittel von oben. Die ersten Flugzeuge erschienen um die Zeit des Ersten Weltkrieges am Himmel. Und wer in den 1920er-Jahren an den einzelnen in Uri abgehaltenen Flugtagen den nötigen Mut und das nötige Geld aufbrachte, um in eine "fliegende Kiste" zu steigen, teilte nach dem Flug den auf der Erde Zurückgebliebenen mit, dass es noch ein erhabeneres Fahrgefühl als dasjenige im Automobil gäbe.

Die ersten „Flugplätze“ befanden sich in Uri auf dem Urnersee und der Altdorfer Allmend. Hier fanden verschiedene Aktionstage statt, wo auch Einheimische als Passagiere das Fliegen erleben konnten. Der Grasflugplatz auf der Allmend wurde auch zu militärischen Zwecken. Zudem benutzten einige Urner die Grasfläche für den Start und die Landungen ihrer Segelflugzeuge.

Im Jahre 1967 errichtete die Heliswiss (Schweizerische Helikopter AG, Bern) in Erstfeld ihre erste Aussenbetriebsstelle. Die traditionelle Eisenbahnergemeinde wurde als Helikopterbasis gewählt, weil sie mitten in den Bergen liegt, das Reusstal hier aber trotzdem noch ein paar ebene Flächen in gut erschlossener Lage bietet. Auf dem Werkareal der Firma Murer AG stand nun vorerst während der Sommermonate für Einsätze aller Art eine Maschine mit Pilot und Mechaniker bereit. Man besass zwar noch keinen eigentlichen Hangar, sondern hatte sich in einer Lastwagengarage eingemietet. Die einzige Büroeinrichtung bestand in einem Wandtelefon. In Erstfeld blieb vorerst eine Agusta Bell 47 G-3, welche bis zu 300 Kilogramm Nutzlast transportieren konnte, stationiert. Durch die Errichtung dieser Aussenbetriebsstelle konnten für Flüge in der Zentralschweiz nun bis zu 2200 Franken eingespart werden, dies waren nämlich die Kosten, welche bis anhin der Überflug Bern-Belpmoos nach Erstfeld kostete. Auch die zeitlichen Verhältnisse begannen sich zu verbessern. Die eingesparten Minuten sollten vor allem bei den Rettungseinsätzen von Bedeutung werden, welche die Heliswiss im Auftrage der Schweizerischen Rettungsflugwacht (Rega) ebenfalls von Erstfeld aus durchführte. Die neue Aussenbasis erwies sich bald als Erfolg, wurde doch die Maschine fast dauernd eingesetzt. Für den Helikopter gibt es im Gebirge, seinem bevorzugten Operationsgebiet, unzählige Einsatzmöglichkeiten. "Der Maulesel der Lüfte" wurde im Urnerland einmal zur Transporthilfe, was bis anhin "im Schweisse des Angesichts" stundenlang bergauf getragen werden musste, gelangte nun in wenigen Minuten zu seinem Bestimmungsort. Im Mai 1973 schenkte die Heliswiss anlässlich ihres 20jährigen Bestehens der "Filiale" in Erstfeld einen fabrikneuen und besonders gebirgsfreudigen Drehflügler vom Typ Aerospatiale SA 315 B Lama. Der 210 Stundenkilometer schnelle und damals 820 000 Franken kostende Helikopter, der Lasten bis höchstens 900 Kilo zu tragen vermochte (fünf Plätze), eignete sich mit seinen ausgezeichneten Höhenleistungen vor allem für den Einsatz in den Bergregionen der Zentralschweiz. Die Lama wurde zudem mit Bahre, Bahrenhalterung und Rettungswinde ausgestattet. Einen Grosseinsatz leisteten die Helikopter am Weissen Sonntag des Jahres 1975, als sich der Winter mit ergiebigen Schneefällen und gewaltigen Lawinenniedergängen zurückmeldete. Dank des unverzüglichen und unermüdlichen Helikopter-Einsatzes konnten die Versorgung der abgeschnittenen Bevölkerung mit Lebensmitteln und Medikamenten sowie der unbedingt erforderliche Krankentransport sichergestellt werden.
Das Jahr 1975 brachte der Heliswiss mit dem Absturz eines Helikopters im Sustengebiet einen schweren Schicksalsschlag.
Die zunehmende Rettungstätigkeit und vor allem auch das Unwetter von 1977 waren dann ausschlaggebend für den Entschluss der Rega, in Erstfeld einen eigenen Helikopter zu stationieren. Im September dieses Jahres erfolgte auch der der Umzug der Heliswiss in den Hangar in der "Pfaffenmatt". 1978 kam die rote Alouette III mit der Immatrikulation HB-XFM ins Urnerland. Die Besatzung bestand nun aus einem Piloten, einem Flughelfer und einem Bergführer. Den Arzt holte man - falls nötig - vom Kantonsspital in Altdorf. Erst 1980 stellte die Rettungsflugwacht einen eigenen Arzt ein - er war immer noch der einzige Rega-Angestellte.
1982 kaufte die Rettungsflugwacht den Heliswiss-Hangar und baute im März des folgenden Jahres Erstfeld zu einer 100prozentigen Basis aus: Ein eigener Pilot und Flughelfer wurden nun angestellt. Erstfeld wurde zu einer von insgesamt zwölf Rega-Basen in der Schweiz. Der Heliswiss-Helikopter blieb unter dem Dach der Rega-Basis stationiert, bis die Seilbahnfirma OHAG Ende der 1980er-Jahre aus dem benachbarten Industriegebäude aus und die Heliswiss dort einzog. Die Heliswiss flog mit ihren ihren zwei in Erstfeld stationierten Lamas weiterhin kommerzielle Einsätze. 1990 verzeichnete man bei der Heliswiss auf der Basis Erstfeld 699 Bewegungen (Starts und Landungen). Insgesamt wurden dabei rund 11'000 Tonnen Material und 350 Arbeiter transportiert. 75 Prozent der Flüge bildeten dabei Holztransporte in Folge der Sturmschäden, was eine Zunahme von rund 50 Prozent zu früheren Jahren bedeutete. Zum Alltag der Erstfelder Rega-Crew gehören vor allem Skiunfälle auf Pisten und Touren. Ende der 1980er-Jahre gab es auch immer mehr Einsätze wegen Gleitschirmunfällen in der Rega-Statistik (1990: 27). Recht zahlreich sind auf der Basis Erstfeld auch Verlegungsflüge von einem Regionalspital wie Altdorf in die Spezialkliniken nach Luzern, Aarau oder Zürich. Am Alpenkamm geschehen immer wieder Flugzeugabstürze, es blieben aber auch schon Ballone hängen. Beides bedeutet Such- und Bergungsflüge für Helikopter.
1990 erfolgte in der "Pfaffenmatt" der Spatenstich für eine neue Rega-Basis. Mit dem neuen Hangar werden die Anforderungen der Flugsicherheit, der Umweltgesetzgebung und vor allem auch der Arbeitsplatzqualität wieder erfüllt sein. Ende 1990 erhielt die Heliswiss zwar an ihrem benachbarten Standort einen neuen Hangar, schloss jedoch später ihre Basis. Im Jahre 1991 konnte die Rega ihren neuen Hangar beziehen. 1984 wurde die Heli Gotthard gegründet, welche kommerzielle Flüge ausführt. Heute gehört die Heli Gotthard zur Firma Swiss Helikopter mit Sitz in Chur. Bei einem Helikopterabsturz im Juli 2013 bei der Kröntenhütte fanden die vier Insassen den Tod.


FLUGUNFÄLLE IN URI UND AUF DEM GOTTHARD (TI)

Datum Flugzeugtyp Unglücksort Anz M/Z Tote V
07.08.1927 Fokker Gotthardpass 1 M 1 0
11.07.1930 Unbekannt (F) Gotthardpass 1 Z 0 1
04.08.1951 Mustang Sustenpass 1 M 1 0
02.09.1958 Djinn Helikopter Bäzberg 1 M 1 0
27.08.1962 Venom DH-112 (3) Furkapass 3 M 3 0
05.10.1967 Venom DH-112 Sustenpass 1 M 1 0
16.02.1972 P-2 Schächental 1 M 2 0
26.10.1976 Alouette II Maderanertal 1 M 0 1
02.04.1979 Kleinflugzeug ??? Sustenpass 1 Z 4 0
03.09.1998 Mustang Erstfeldertal 1 Z 2 0
03.05.2000 Kleinflugzeug ??? Gotthardpass 1 Z 0 0
15.07.2003 Alouette III Isenthal 1 M 0 3
30.03.2011 Super Puma Maderanertal 1 M 0 2
19.05.2012 Segelflugzeug Klausenpass 1 Z 1 0
01.07.2013 Eurocopter Erstfeldertal 1 Z 4 0
26.02.2015 AgustaWestland Erstfeld 1 Z 0 3
29.08.2016 F/A 18 Sustenpass 1 M 1 0
28.09.2016 Super Puma Gotthardpass 1 M 2 1

Legende:
Anz = Anzahl
M = Militärflugzeug / Z = Zivilflugzeug
V = Verletzte

> Flugunfälle im Detail

FLUGZEUGE MIT BEZUG ZU URI

Airbus 340-300 "Altdorf"
Alouette II Lama
Caravelle "Uri"
DH-112 Venom (Militär)
Dornier "Switzerland" CH-171
F/A 18 (Militär)
Junkers F 13
Junkers Ju 52
P-2 (Militär)
P-51 D Mustang (Militär)

> Flugzeuge im Detail

HELIKOPTER MIT BEZUG ZU URI

Agusta-Bell 204 B
AgustaWestland Da Vinci (Rega)
Alouette II (Militär)
Alouette III (Militär)
Alouette III (Rega)
Djinn V-21 (Militär)
Eurocopter AS 350 B3 Ecureuil
Superpuma

> Helikopter im Detail

ABSTIMMUNGEN ZUM FLUGWESEN

Datum Titel E/K UR CH
22.05.1921 Regelung der Luftschiffahrt E Ja Ja
06.06.1993 Für eine Schweiz ohne neue Kampfflugzeuge E Nein Nein
20.02.1994 Änderung des Luftfahrtgesetzes E Ja Ja
29.11.2009 Bundesbeschluss zur Schaffung einer Spezialfinanzierung für Aufgaben im Luftverkehr E Ja Ja
18.05.2014 Bundesgesetz über den Fonds zur Beschaffung des Kampfflugzeugs Gripen E Ja Nein

Legende: E = Eidgenössisch; K = Kantonal; UR = Entscheid in Uri; CH = Entscheid in der Schweiz
> Zu den Abstimmungsresultaten im Kanton Uri

ZITATE ZUR FLIEGEREI

Mittwoch, 19. Oktober 1921
Das erhabene Gleiten in luftigen Höhen
Bericht in der "Gotthard-Post"
"Alle Fahrgäste waren höchst befriedigt und vermochten die Eindrücke kaum zu schildern. Alle die Empfinden, die ein Autler bei Kurven, Kreuzungen und Telegraphenstangen hat, kommen in Wegfall. Es ist ein erhabenes Gleiten in lichten Höhen ohne jede Beängstigung“
GP, No. 47, Erstes Blatt, 19.10.1921
      
Samstag, 1. Oktober 1927
Die Zukunft liegt in der Flugstrasse
Bericht in der "Gotthard-Post"
"Die Flugstrasse aber, die Konkurrenz der Autostrasse, liegt schon in der Luft. Der Schweizerische Aero-Klub sucht Mitglieder und Geld für den grossen Flugverkehr. In einer seiner Propagandaschriften stehen die Worte: 'Die zukünftige Verkehrsfluglinie nach Mailand, welche die Pracht unserer Berge in einer neuen Form und in ihrer überwältigenden Gesamtheit erschliessen wird, ist wohl berufen, die landschaftlich imposanteste Luftreise Europas zu werden.'"
GP, No. 40, 1.10.1927.
      

 
DAS FLUGWESEN IN URI
Allgemeines
Flugzeuge im einzeln
Helikopter im einzeln
Flugereignisse
Flugunfälle im Detail
Helikopterbasen und Landeplätze
Institutionen im Flugverkehr

 

Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / Letzte Aktualisierung: 15.10.2016