FESTLICHES BRAUCHTUM

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Das Osterfest

Ostern bestimmt sich nach dem Lauf des Mondes. Das Konzil von Nicäa legte 325 den ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond als Ostertermin fest. Das Osterfest kann demnach auf eine Zeitspanne zwischen dem 22. März und dem 25. April fallen. Letzteres wird übrigens frühestens im Jahre 2038 wiederum der Fall sein; Ersteres hat in den Jahren 1761 und 1818 stattgefunden. Der Mathematiker Carl Friedrich Gauss (1777-1855) hat in seiner grossen mathematischen Forschungsarbeit auch eine komplizierte Formel für die Osterberechnung erstellt. Früher wurden der Ostertermin und die Daten der beweglichen Feste nach dem Evangelium am Dreikönigstag in der Kirche verkündet. Heute weiss das Datum die Agenda, zudem noch mehrsprachig: Pâques, Pasqua, Easter!

Für die Christen wurde das Ei schon früh zum Symbol der Auferstehung Christi und der Auferstehungshoffnung der Menschen. Die christlichen Ostereier symbolisierten das neue Leben, das die - wie tot aussehende - Eierschale immer wieder durchbricht, wie Jesus Christus Tod und Grab überwand.
Das Schenken von Eiern zu Ostern lässt sich schon in den ersten christlichen Jahrhunderten in der Ostkirche nachweisen. Sie waren ursprünglich rot und verwiesen durch ihre Farbe auf den lebendigen, auferstandenen Christus und das durch ihn vergossene Blut. Im Westen begann das Bemalen von Ostereiern im 12./13. Jahrhundert. Neben den roten Eiern traten bald die verschiedensten Farben auf. Die Eier blieben zudem nicht einfarbig, sondern wurden verziert, ausgekratzt, beschrieben, beklebt oder bemalt. Im 17./18. Jahrhundert kamen zudem Eier in Mode, die einen Osterglückwunsch oder Sinnspruch enthielten. In ein ausgeblasenes Ei wurde längsachsig ein Holzstäbchen durchgesteckt, um das ein beschriebener Papierstreifen gewickelt war, den man herausziehen konnte.

Die Eierbräuche an Ostern waren auch eine logische Folge der katholischen Fastenordnung, welche die Eier zu den Fleischspeisen rechnete und den Genuss der Eier während der Fastenzeit verbot. In den Wochen vor Ostern, die als gute Legzeiten der Hühner gelten, sammelte sich somit eine grosse Menge von Eiern an. Das Brauchtum an Ostern sorgte für den schnellen Absatz.
Auf evangelischer Seite waren die Ostereier dagegen Ausdruck einer falschen Werktätigkeit. Nach reformatorischer Sicht wurde man vor Gott nicht durch verdienstliche Werke, und sei es auch durch das Fasten, sondern allein wegen seines Glaubens gerecht. Die evangelische Ablehnung der "katholischen" Ostereier liess die Popularität bei der reformierten Bevölkerung nicht mindern.
Im 19. Jahrhundert büsste der Eierbrauch als religiöses Symbol und kultisches Attribut ein. Dagegen entwickelte er sich zu einem Teil einer familiären und zugleich säkularen österlichen Festinszenierung. Die Ostereier wurden von den Eltern versteckt und den Kindern gesucht.

Als Täter der versteckten Ostereier wird der Osterhase vorgeschoben. Um 1800 begann er seinen Siegeszug. Er schwang sich in der Folge zum Symboltier für Ostern empor und war in den 1930-Jahren im schweizerdeutschen Raum flächendeckend bekannt.


Osterei mit Liebesbotschaft (Historisches Museum Uri).

OSTERN IM DETAIL

Karfreitagseier
Den am Karfreitag gelegten Eiern wird in Teilen der Urner Bevölkerung besondere Eigenschaften zugemessen. So sollen Karfreitagseier nicht verderben, sondern höchstens eintrocknen. In Haus und Stall deponiert schützen sie im Volksglauben durchs Jahr vor Krankheiten und Seuchen und ziehen das Fieber an. 
      
Osterfeuer, Osterkohlen
Gepflegt wir in Uri auch noch das Brauchtum des Osterfeuers, das in der Osternacht im Freien entzündet wird. Einen Hinweis auf diesen Brauch gibt auch die Urner Sage. Der weise Jäger, welcher auf der Jagd Glück haben und keinem Unheil begegnen wollte, mischte ins Schiesspulver etwas Gesegnetes, wenn möglich Osterkohlen.
      
Eierrufen
In einigen Urner Gemeinden hat sich bis ins 20. Jahrhundert der alte Brauch erhalten, dass die jungen Burschen am Ostermontag in die Häuser der Mädchen Ostereier heischen gingen. Ihre Beute war gewöhnlich recht reichlich. An einem der folgenden Sonntage vereinigten sich Burschen und Mädchen alsdann zu einem gemeinsamem Mahl, welchem - trotz Sonntagstanzverbot - ein Tanzvergnügen, der sogenannte Eiertanz, folgte. Eier heischten auch die Nachtbuben, allerdings als Einzelgänger. Der Nachtbube verstellte seine Stimme und bettelte vor dem Fenster um Eier. Als Brauchtum erhalten hat sich bis heute das "Äijertitschä".
      
Osterhase
Kaum sind die letzten Klänge der Katzenmusik jeweils verklungen, feiert er seinen unübersehbaren Auftritt. In den Schaufenstern der Konditoreien, in den Regalen der Lebensmittelgeschäfte ist er nun zahlreich vorhanden, klassisch als Lepus europaeus, mobil im Auto oder auf dem Motorrad, sportlich als Fussballer: der Osterhase! Während die Ostereier und das damit verbundene Brauchtum in Uri schon länger bekannt sind, dürfte der Osterhase Anfang des 20. Jahrhunderts hierzulande Einzug gehalten haben. Als Täter der versteckten Ostereier wird der Osterhase vorgeschoben. Um 1800 begann er seinen Siegeszug. Er schwang sich in der Folge zum Symboltier für Ostern empor und war in den 1930-Jahren im schweizerdeutschen Raum flächendeckend bekannt. Da der Hase nun aber keine Eier legt, steht es um die Erklärung der österlichen Popularität von Meister Langohr nicht einfach. In der volkskundlichen Forschung werden verschiedene Erklärungen angeboten. Die eine Theorie vermutet, dass der Osterhase als Unglück im Backofen geboren wurde, indem sich ein misslunges Ostergebäck, welches eigentlich ein Osterlamm darstellen sollte, in der Hitze so verformte, dass es schliesslich mehr einem Hasen ähnelte. Der Osterhase tritt - wie früher der heilige St. Nikolaus - heimlich und unerkannt auf. Auch den Osterhasen trifft man nie an; eventuell hat man ihn gerade um die Ecke huschen sehen.
      
Karwoche
Ostern ist im Christentum das Fest der Auferstehung Christi. Die Karwoche, die Leidenswoche Christi zwischen Palmsonntag und Ostern, hat ihren Namen vom Mittelhochdeutschen "chara", was "Wehklage, Trauer" bedeutet.
      

DATUM VON OSTERN

Ostern
Sonntag, 16. April 2017
Erster Sonntag nach dem Frühlingsvollmond

ÖSTERLICHE EREIGNISSE

 

 

 

Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / Letzte Aktualisierung: 2.1.2014