FASNÄCHTLICHES URI

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Ehemalige Urner Katzenmusikgesellschaften



  

Faschingsgesellschaft (Fagesa)



Altdorf
Gründungsjahr: 1888



Die 1888 ins Leben gerufene Faschingsgesellschaft Altdorf (Fagesa) sah zwar die Durchführung eines Fasnachtsspiels als Hauptzweck vor, kümmerte sich jedoch auch um die Katzenmusik. So organisierte sie 1891 am Morgen des Fetten Donnerstags erstmals eine Katzenmusik. Damit nahm sich erstmals eine Organisation dem frühmorgendlichen Brauchtum an. Nach dem «Konzert» war man sich im Vorstand der Faschingsgesellschaft einig: «Die Katzenmusik sollte keine Fasnacht mehr fehlen, sondern eher von Jahr zu Jahr grössere Dimensionen annehmen, bis sie wieder auf derjenigen Stufe angekommen war, auf der unsere Alten aufgehört haben.»
Anfänglich als Teil der Fagesa entwickelte sich die Katzengesellschaft zur eigenen Institution, und hielt am Mittwochabend vor dem Frühkonzert jeweils ihre Versammlung ab, zu der auch die Instrumente mitgebracht wurden. Hauptanlass blieb das Frühkonzert, an das sich Anfang des 20. Jahrhunderts das zweistündige Bubenkonzert anschloss. Danach wurde gegen Vorweisen eines Instrumentes an alle Junioren-Katzenmusikanten Wurst und Brot abgegeben.
An der Generalversammlung der Faschingsgesellschaft 1922 stimmte man der Fusion mit der Katzenmusikgesellschaft zu. Das hatte zur Folge, dass die Sammlungen der Spendenbeiträge in einem Zuge erfolgten. Im Jahre 1928 wurde die Faschingsgesellschaft, die in den letzten Jahren die Katzenmusik organisiert hatte, aufgelöst. Von den Fasnächtlern wurde sogleich wieder eine «Katzenmusik-Gesellschaft» gegründet.


Quellen, Literatur: Gisler-Jauch Rolf, Fasnächtliches Uri, S. 71 ff.

BILDER

DETAILS ZUR EHEMALIGEN GESELLSCHAFT

1900 / Altdorf – Katzenmusikprobe am Mittwochabend
Ende des 19. Jahrhunderts konstituierte sich aus der Faschingsgesellschaft ein eigener Vorstand, der unter dem Namen «Katzenmusik Altdorf» das Frühkonzert organisierte. Die Organisation und vor allem die Finanzierung des Freitrunkes blieb weiterhin eng mit der Faschingsgesellschaft verknüpft. So wurde jeweils an der Jahresversammlung beschlossen, der Katzenmusik wie gewöhnlich 100 Liter Bier zu verabfolgen. An der Generalversammlung wurden auch drei Katzenmusikdirektoren gewählt. Diese waren dafür verantwortlich, dass die Katzenmusik rechtzeitig aufhörte. Man traf sich nun jeweils am Mittwochabend vor dem Schmutzigen Donnerstag in der Höfli-Kaserne zur Versammlung. Jedes Mitglied hatte ein Instrument mitzubringen. Das Haupttraktandum war gemäss Inserat: «Freibier»! Nebst dem Freibier wurde an diesem Abend auch das kakofonische Repertoire eingeübt, weiss doch ein einheimischer Dichter die musikalische Vorführung gereimt zu loben:

«Eu d’Üswahl als gilungä gilt; /
Sie sellet sehr viel Stickli ha, /
Und häbet’s alli abbägspielt, /
So fienget’s halt vo vornä a.»

Des Dichters Worte spielen zwar auf das grosse Repertoire der Katzenmusikanten an, dieses dürfte sich jedoch auf den traditionellen «Heeräli»-Marsch und auf die dreiteilige Bourbaki-Melodie beschränkt haben. Mit diesem monotonen Musizieren marschierten die Urner keineswegs alleine, denn im schwäbischen Raum folgten die Fasnachtsmärsche ebenfalls einem strengen Rhythmus, und die einzelnen Teile wurden unendlich oft wiederholt. Die Versammlung am Mittwochabend und das obligate Freibier wurden um 1900 zur Tradition, und das mitgebrachte Instrumentarium sorgte in Altdorfs Strassen an diesem Abend bereits für eine inoffizielle Eröffnung der Fasnacht. Kakofonisches Hauptereignis blieb das Frühkonzert am Morgen des Schmutzigen Donnerstags, an dem in jener Zeit 120 bis 150 Personen teilnahmen. Es endete um 6 Uhr, zum Zeitpunkt der Frühmesse.
Literatur: Gisler-Jauch Rolf, Fasnächtliches Uri, S. 72.

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1905 / Altdorf – Uraufführung des Urner Faschings-Marsches



Im Jahre 1905 schaffte die Bourbaki-Sonnerie auf der Bühne des Tellspielhauses den endgültigen Durchbruch. Am 26. Februar führte die Harmonie Altdorf – wie alle Jahre – ein Konzert und eine theatralische Aufführung im Theatersaal auf. Dabei kam es zur Aufführung des Urner Faschings-Marsches von Wilhelm Kesselbach (1868 – 1919). Das Stück stiess auf grosses Echo und wurde als Knalleffekt bezeichnet, der unter stürmischen Beifalls- und Bis-Rufen wiederholt werden musste. Eine zweite Aufführung fand am 12. März statt. Die Katzenmusik brachte in den folgenden Jahren Wilhelm Kesselbach für seine musikalische Meisterleistung immer ein Ständchen in seinem Garten seines Hauses im Winterberg. Als Lohn gab es jeweils Bier.
Literatur: Gisler-Jauch Rolf, Fasnächtliches Uri, S. 72 f.

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EREIGNISSE

Samstag, 13. Februar 1897  - Fasnacht, Katzenmusik
Gemeindepräsident protestiert gegen den früheren Beginn des Frühkonzerts
Der Altdorfer Gemeindepräsident Andreas Huber ersucht die Polizeidirektion Uri, die so genannte Katzenmusik am Schmutzigen Donnerstag vor dem «Morgenbetenläuten» zu verhindern. Es lägen in der Gemeinde viele Leute krank und bedürfen infolgedessen in erster Linie der Nachtruhe. Seit zwei oder drei Jahren würde dieser einfältige Lärm nämlich schon um 3 Uhr des Morgens beginnen. Trotz der Fasnacht habe doch alles seine Grenzen.
Schreiben A. Huber an Polizeidirektion Uri vom 13.2.1897 (StAUR R-540-13/100); UW 10/1897.
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Mittwoch, 7. Februar 1923  - Fasnacht, Katzenmusik
Eröffnungsmarsch der Katzenmusik mit grossem Trommelkorps
Am Vorabend zum Schmutzigen Donnerstag führt ein bisher noch nicht erreichtes Trommelkorps im Lichte bengalischer Feuer seine Exzellenz Prinz Karneval dröhnend zur Ouvertüre der «lebensnotwendigen» Katzenmusik an. Tambouren und Pauker treffen sich abends um 18.30 Uhr im «Tellen». Eine halbe Stunde später beginnt der Eröffnungsmarsch.
Gisler-Jauch Rolf, Fasnächtliches Uri, S. 75.
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Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / Letzte Aktualisierung: 15.01.2020