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Ansprachen zum Nationalfeiertag

1975

Freitag, 1. August 1975



Sujet: Rotes Pass-Büchlein mit weissem Kreuz
Zweck der Bundesfeierspende: Inlandaufgaben des Schweizerischen Roten Kreuzes, insbesondere der Förderung der Krankenpflegeberufe und des Samariterdienstes

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Wort des Landammanns zur Bundesfeier 1975
Landammann Raymund Gamma


«Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger
Noch wenige Tage trennen uns vom diesjährigen 1. August als dem Tag des Gedenkens an die Gründung der schweizerischen Eidgenossenschaft vor 684 Jahren. Allerorten in der Schweiz wird der Anlass begangen, teils im traditionellen Rahmen, teils im Versuch neuer Formen. Auch dieses Jahr dürfen wir in Freude und Freiheit unsern Nationalfeiertag begehen, denn Heimatbewusstsein und Heimatliebe zählen zu den gültigen Werten des Lebens.

Immer und überall aber ist auch ein Moment der Besinnung mit dabei und gerade in einer sich verändernden Zeit wollen sogar düstere Gedanken aufkommen. Wenn wir, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, den Weg bedenken, den die Eidgenossenschaft von ihrem Anfang an bis heute gegangen ist, dann stellen wir fest, dass dieser Weg nicht immer mit Rosen bestreut sondern gar oft mit Steinen, ja mit Blut und Tränen belegt war. Tage des Aufstieges haben mit Tagen des Niederganges, Tage des Lichtes mit Tagen des Schattens, Tage der Freude mit Tagen des Leidens gewechselt. So ist es auch heute: der nationale Feiertag dieses Jahres wird nicht unter den gleichen Gegebenheiten wie in den vorgehenden Jahren gefeiert, denn nach einer Epoche der stets steigenden Konjunktur machen sich nun Stagnation und Rezession bemerkbar. Im ewigen Laufe der Zeit ist die heutige Lage allerdings nicht aussergewöhnlich, sie liegt durchaus im Weltengang mit dem periodischen Wechsel von Hoch und Tief. Dass die veränderte Lage zu neuem Ueberlegen und zu neuem Handeln zwingt ist selbstverständlich; wichtig ist, dass wir alle uns dessen bewusst werden. Der Regierungsrat hat in seinem Bundesfeier-Aufruf von 1972 darauf hingewiesen, dass der überbordende Gebrauch des Wohlstandes zu zügeln sei und dass wir davon abkommen müssen, die Expansion auf allen Gebieten als das Höchste zu betrachten. Wie recht er mit dieser Mahnung hatte zeigt die heutige Situation auch in unserm Kanton.

So hat denn das berühmte Wort unseres Landesvaters Nikolaus von der Flüe: «Machet den Zun nicht ze wit», das er im Jahre 1482 an die Berner schrieb, wieder eine brennende Aktualität erlangt; auch wir müssen unsere Zäune wieder zurückstecken. Die Aufgaben, die sich damit ergeben, sind vielfältig, sie können aber nicht einzig und allein auf den Staat abgewälzt werden. Gewiss tun die Behörden alles, was in ihrer Macht steht, um die Lage zu meistern, doch sind ihre Möglichkeiten begrenzt. Viel mehr bedarf es der tatkräftigen Mitarbeit des ganzen Volkes, des aktiven Zusammenwirkens aller Kräfte auf allen Stufen des Gemeinwesens und des Privatsektors, um in zweckmässigen und tragbaren Lösungen die harmonische Weiterentwicklung des Kantons zu gewährleisten.

In diesem Sinne wünschen wir Euch, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, einen besinnlichen und doch frohen Bundesfeiertag, wünschen wir Euch aber auch Mut, Kraft und Zuversicht für die Zukunft. Wir empfehlen Euch und uns dem immerwährenden Machtschutz des Allerhöchsten.»

21.07.1975 / Abl UR 1975, S. 645 f.

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(Angaben folgen)

 

 

Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / letzte Aktualisierung: 22.08.2021