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Ansprachen zum Nationalfeiertag

1976

Sonntag, 1. August 1976



Sujet: Fahne farbig gestreift mit Kreuz
Zweck der Bundesfeierspende: Zur Hälfte für den Schweizerischen Bund für Jugendherbergen und zur Hälfte für Denkmalschutz und Heimatschutz

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Wort des Landammanns zur Bundesfeier 1976
Landammann Anton Arnold


Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
Wie jedes Jahr seit der ersten offiziellen Bundesfeier von 1891 rüstet sich auch das Land Uri, den Tag der Gründung der schweizerischen Eidgenossenschaft vor 685 Jahren in schlichter aber würdiger Weise zu begehen. Und wie schon seit längerer Zeit möchte sich der Regierungsrat auch dieses Jahr wieder angesichts der Besonderheit des Anlasses an Euch wenden.

Angesichts der bösen Zeit haben am 1. August 1291 die drei Länder Uri, Schwyz und Unterwalden den ersten und ewigen Bund geschlossen. Dankbar erinnern wir uns der Gründer der Eidgenossenschaft, dankbar erinnern wir uns aber auch dessen, was unsere Altvordern seither zum Bestand und zur Entwicklung unseres Landes getan haben. Im Leben der Eidgenossenschaft gab es wie im persönlichen Leben des Menschen auch Höhen und Tiefen. Immer wieder galt es, die Gemeinschaft zu verteidigen, zu festigen und auszubauen, wobei Krieg und Frieden im Ablauf der Zeit einander ablösten. All diesem Einsatz haben wir letztlich die heutige schweizerische Gemeinschaft zu verdanken.

Doch es wäre sicher nicht richtig, am 1. August nur in der Vergangenheit leben zu wollen. Die Gegenwart bringt wie damals auch schwere Probleme und zwingt zur Besinnung, zur Ueberdenkung und zur Planung für die Zukunft. Was uns schliesslich alle bewegt, hat der grosse französische Denker Blaise Pascal (1623-1662) in die Worte gefasst: «Die Vergangenheit und die Gegenwart sind unsere Mittel, die Zukunft ist unser Ziel». Der Regierungsrat ist gewillt, seine Verpflichtungen der Gegenwart und der Zukunft gegenüber bestmöglich zu erfüllen und soll ihm dies gelingen, bedarf es der Einsicht, der Bereitschaft und der Mitwirkung aller. Mehr denn je zwingt uns die Lage, unsere Freiheiten und Ansprüche zu überprüfen und weise zu beschränken. Wir haben schon früher darauf hingewiesen, dass wir den überbordenden Gebrauch des Wohlstandes zügeln müssen, ohne ihn jedoch zu vernichten; die vergangenen zwei Jahre zeigen mit aller Deutlichkeit, wie recht wir mit unserer Mahnung hatten. Die gewaltigen Aufgaben unserer Zeit erfordern den täglichen Einsatz, aber auch die persönliche Einschränkung im Interesse sowohl der Gegenwart wie auch der Zukunft.

Im Sinne der Ereignisse, welche am Anfang unserer staatlichen Gemeinschaft stehen, wird auch dieses Jahr unser Nationalfeiertag begangen. Dies scheint uns gut so, denn es besteht nach unserer Meinung kein Grund, um jeden Preis nach Neuerungen für diesen historischen Anlass zu suchen. Der Mensch und Bürger kann auch bei einer traditionellen Bundesfeier den zeitaufgeschlossenen Geist bewahren. Uebrigens steht ganz Uri wieder im Zeichen der Aufführungen von Friedrich Schillers «Wilhelm Tell» im renovierten Tellspielhaus in Altdorf. Jene Sätze, welche der Dichter einst geprägt hat, sie gelten heute noch so gut wie damals. Dieses aufrüttelnde Spiel von der Freiheit hat an Aktualität nichts eingebüsst und passt so gut in unsere Zeit und zu unserm Nationalfeiertag.

In diesem Sinne wünschen wir Euch, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, einen besinnlichen und doch frohen Bundesfeiertag, einen Bundesfeiertag in Freiheit, Unabhängigkeit und Verbundenheit. Wir wünschen Euch Mut, Kraft und Zuversicht für die Zukunft und empfehlen Euch samt uns in den immerwährenden Machtschutz des Allerhöchsten.»

19.07.1976 / Abl UR 1976, S. 701 ff.

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(Angaben folgen)

 

 

Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / letzte Aktualisierung: 22.08.2021