BRAUCHTUM

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Ansprachen zum Nationalfeiertag

1979

Mittwoch, 1. August 1979



Sujet: Weiss-rote Blume mit Schweizer Kreuz
Zweck der Bundesfeierspende: Frauenorganisationen

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Wort des Landammanns zur Bundesfeier 1979
Landammann Josef Brücker


«Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger!
Es ist eine gute Tradition, den Tag der Bundesfeier als Anlass zur Besinnung zu nehmen. Diese Besinnung ist nicht ganz leicht. Eine prägnante Kennzeichnung der heutigen Situation, welche den Ausgangspunkt für diese Einkehr bilden könnte, ist recht schwierig. Vor einiger Zeit wurde unsere Haltung mit «wunschlos unzufrieden» gekennzeichnet. Die vielen negativen Volksentscheide zeigen, dass der Bürger trotz laut verkündeter Unzufriedenheit und trotz Berufung auf das Malaise oft in der Veränderung das grössere Risiko erblickt als im Verharren. Klar erkennbar an dieser Haltung des Souveräns ist oft nur der Wille zum Nein. Dagegen sind die eigentlichen Gründe und Motive vielfach recht unklar oder gar gegensätzlicher Natur.

Die Abwehr der grossen Lösungen, die Angst vor der schleichenden Bürokratisierung können aber auch den Willen zur Erweiterung der Gestaltungsmöglichkeiten im überblickbaren Lebensbereich bedeuten. Darin liegt eine grosse Gelegenheit und Hoffnung, auf die am 1. August hingewiesen werden kann. Unser Staatswesen bietet dem Bürger ein reichhaltiges Instrumentarium, um an der Gestaltung des eigenen Lebensbereiches mitzuwirken.

Unser Föderalismus und das System der Nebenamtlichkeit erlauben es vielen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, neben ihrem Beruf Verantwortung zu übernehmen und im überschaubaren Bereich von Gemeinde und Kanton mitzugestalten und menschliches Mass dominieren zu lassen, statt anonym verwaltet zu werden. Es gibt auch zahlreiche Möglichkeiten, gemeinnützige Aufgaben mit persönlichem Einsatz auf privater Basis zu erfüllen, statt sie dem Staat zu übertragen.

Vielleicht fehlen grosse Kontroversen, die zum grossen Engagement herausfordern. Wir sind eben ziemlich wunschlos. Wir müssen aber auch keine ideologischen Windmühlen aufbauen, um engagiert dagegen anzurennen. Ist es nicht sinnvoller, die Gestaltungsmöglichkeiten im eigenen Lebensbereich zu nutzen und so seinen persönlichen Beitrag zu leisten. Am Tage der Bundesfeier lohnt es sich, dies zu überlegen. Der Machtschutz Gottes möge unsere Anstrengungen begleiten.»

23.07.1979 / Abl UR 1979, S. 685 f.

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(Angaben folgen)

 

 

Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / letzte Aktualisierung: 22.08.2021