BRAUCHTUM

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Ansprachen zum Nationalfeiertag

1980

Freitag, 1. August 1980



Sujet: Schweizer Wappen und 26 Kantonswappen im Quadrat
Zweck der Bundesfeierspende: Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Wanderwege; Mütter in Notlagen

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Wort des Landammanns zur Bundesfeier 1980
Landammann Hans Danioth


«Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger
Wenn wir auch dieses Jahr wieder am 1. August der Gründung der Eidgenossenschaft gedenken, dann empfinden wir recht zwiespältige Gefühle. Einerseits wissen wir, was wir unsern Ahnen, den Gründern des Ewigen Bundes von 1291, zu verdanken haben, anderseits sind wir uns bewusst, dass die Eidgenossenschaft von 1291 nicht die Schweiz von 1980 ist. Die Gegenwart macht es uns nicht leicht, die Vergangenheit zu erkennen. Wir laufen Gefahr, alte Traditionen, zu denen wir keine rechte Beziehung mehr haben, zur leeren Floskel und gedankenlosen Gewohnheit werden zu lassen. Um nun der Gefahr der geistigen Verflachung zu begegnen, müssen wir alle, Bürger und Behörden zum Tage der Bundesgründung Besinnung halten, welche uns aus dem schnellebigen Alltag, aber auch aus der Unsicherheit des heutigen Zeitgeistes herausführen soll.

In diesen Tagen jährt sich der berühmte und für unser Land so wichtige Rütli-Rapport von General Henri Guisan zum 40. Male. Ist dies nicht Anlass, dass wir alle uns wieder einmal auf die wahren und erhaltenswürdigen Werte der Eidgenossenschaft besinnen? Haben wir überhaupt noch eine einigende Idee und Kraft, haben wir etwas, das die Abgesandten des Volkes und der Gesellschaft für einen gemeinsamen Zweck an einer einzigen Stätte der Besinnung zusammenführen könnte? Oder sind wir je länger desto mehr zu einer Nation geworden, welche durch das Gleichgewicht der Gruppen- und Sonderinteressen und durch die gegenseitige Missgunst zusammengehalten wird?

Vielleicht ist die «andere Seite» der Eidgenossen nur etwas zugedeckt worden und wartet darauf, wieder freigelegt zu werden. Solche Gelegenheiten findet jeder in seiner kleineren und grösseren Umgebung. Hilfe und Solidarität können beispielsweise unsere guten Seiten dann aufdecken, wenn wir jetzt dem durch die Wetterlage in Bedrängnis geratenen Bauernstand in aktiver, tatkräftiger Unterstützung beistehen; wenn wir die auch im Schweizerland nicht verschwundene Not von Einzelschicksalen spontan und wirksam zu lindern versuchen; wenn wir dem unsagbaren Elend der Flüchtlinge aus vielen Ländern unser Herz nicht verschliessen.

So ist denn die Zeit zu einem neuen Aufbruch unseres Geistes und unseres Herzens wieder gekommen. Niemand behauptet, dass es nicht noch Vieles zu tun gibt. Dabei gilt es, Wünschbares und Machbares in ein richtiges Verhältnis zu bringen. Auch sollten wir uns vor Augen halten, dass der Bundesbrief von 1291 die immer noch aktuelle Forderungen aufstellt, dass Meinungsverschiedenheiten unter Mithilfe der «Einsichtigen der Eidgenossen» ohne Gewalt zu lösen sind. Wir alle sind eine Schicksalsgemeinschaft, welche die Mitarbeit aller benötigt, aber nicht nur die Mitarbeit, sondern auch die Mitverantwortung aller.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, möge der Machtschutz Gottes und die Einsicht der Menschen mithelfen, in Mitverantwortung und Mitarbeit, in Frieden und Freiheit das zu tun, was zur Mehrung der allgemeinen Wohlfahrt zu tun uns allen aufgetragen ist.»

22.07.1980 / Abl UR 1980, S. 613 ff.

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(Angaben folgen)

 

 

Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / letzte Aktualisierung: 22.08.2021