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Ansprachen zum Nationalfeiertag

1982

Sonntag, 1. August 1982



Sujet: Höhenfeuer mit Schweizer Kreuz auf grauem Grund
Zweck der Bundesfeierspende: kulturelle Zwecke

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Wort des Landammanns zur Bundesfeier 1982
Landammann Hansheiri Dahinden


«Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger
Traditionellerweise wird am 1. August auch von Seiten des Regierungsrates der Gründung der Eidgenossenschaft gedacht. Volk und Behörden von Uri werden dies heuer mit gemischten Gefühlen tun. Staatspolitische Stabilität und Wohlstand einerseits, Unrast der Jugend und verschärfte politische Auseinandersetzungen anderseits prägen das Bild des heutigen Alltags.

In dieser widersprüchlichen Zeit hält es schwer, zum Tag der Bundesgründung das rechte Wort zu finden. Wenn sich der Regierungsrat zu diesem Anlass auch heuer an seine Mitbürger wendet, so tut er dies nicht ohne Besorgnis. Er tut dies im vollen Bewusstsein des herrschenden Zwiespaltes, der eine eindeutige Kennzeichnung der heutigen Lage schwierig macht. Wohl wissen wir, was wir den Bundesgründern zu verdanken haben, wohl steht «der Grund, auf den sie bauten», fest und unverbrüchlich da, doch was aus ihrem Bau geworden ist, wird da und dort in Frage gestellt. Es ist nicht bestritten, dass es in unserer Schweiz Probleme zu lösen gibt. Doch können sie nur in gemeinsamem, offenem Gespräch und innerhalb unserer Rechtsordnung gelöst werden. «Demokratie heisst Diskussion», so lautet eine bewährte staatspolitische Maxime. Das gegenseitige vertrauensvolle Gespräch ist aber nicht möglich, wenn die Kritiker in der Anonymität, ja selbst in der Illegalität arbeiten.

In diesem Jahr wird in Altdorf einmal mehr Friedrich Schillers Nationaldrama «Wilhelm Teil» aufgeführt. Das bewegende, ja oft geradezu turbulente Geschehen wird gewissermassen überstrahlt durch die weise Abgeklärtheit des greisen Attinghausen, dem Tode näher als dem Leben. Er weiss, dass nur in einem engen Schulterschluss aller die starken Wurzeln der vaterländischen Kraft liegen. Wir alle sind eine Schicksalsgemeinschaft, die nur in einer Ueberwindung bestehender Gegensätze den Frieden, die Unabhängigkeit und den Weiterbestand zu sichern in der Lage ist. Am Ende seiner irdischen Laufbahn findet der greise Attinghausen jene Worte, welche, alles überstrahlend, den Weg zum Ziel vorzeigen: «Seid einig, einig, einig». Diesen Wunsch möchte der Regierungsrat aus seiner ganzen Sorge um Land und Volk von Uri zur Losung des diesjährigen Bundesfeiertages machen.

Wir wünschen Euch, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, mit diesem Appell zur Solidarität und gemeinsamen offenen Problemlösung einen besinnlichen, aber auch einen frohen Bundesfeiertag, der in uns allen den Willen zur Zusammengehörigkeit und gemeinsamen Verantwortung stärken soll. Möge uns der Machtschutz Gottes bei diesen Anstrengungen helfen.»

26.07.1982 / Abl UR 1982, S. 689 f.

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(Angaben folgen)

 

 

Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / letzte Aktualisierung: 22.08.2021