BRAUCHTUM

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Ansprachen zum Nationalfeiertag

1983

Montag, 1. August 1983



Sujet: Schweizer Kreuz auf gewelltem roten Grund
Zweck der Bundesfeierspende: Schweizer Wald

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Wort des Landammanns zur Bundesfeier 1983
Landammann Hansheiri Dahinden


«Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger
Am 1. August, mitten in der Ferienzeit, wenn in vielen Arbeitsräumen die allgemeine Hektik schwindet, gedenken Volk und Behörden der Gründung unserer Eidgenossenschaft. Der Anlass erlaubt dem Regierungsrat, sich an Euch zu wenden, ohne einem konkreten Problem verpflichtet zu sein.

Wir leben nicht in einer Zeit idyllischer Ruhe. Zuviel ist in Bewegung, zuviel Fragen sind offen. Stichworte wie Kurzarbeit, Entlassungen, Betriebsschliessungen, Probleme des Umweltschutzes, Erhaltung des Lebensraumes, Finanzknappheit und andere mehr vermögen die Situation zu skizzieren. Hinzu kommt, dass unsere Zeit geprägt ist von der heimlichen oder offen eingestandenen Angst vor wirtschaftlichen, technischen und sozialen Vorgängen, die sich der Kontrolle durch den Einzelnen und den Staat immer mehr entziehen. Schliesslich scheint der Staat an der Grenze seines Leistungsvermögens angelangt zu sein, die gesetzt ist durch die Verknappung der finanziellen Mittel, durch eine gewisse Schwerfälligkeit des Verwaltungs- und Vollzugsapparates sowie durch den lähmenden Verlust echter Autorität.

Zeiten der Unsicherheit sind aber immer auch Zeiten der Chance. Die Geschichte lehrt, dass selbst so gewichtige Probleme, wie sie heute anstehen, mit gezieltem Einsatz und mit der richtigen Geisteshaltung bewältigt werden können. Denn unsere jetzige Situation, politisch und wirtschaftlich gesehen, ist mit allen Gefährdungen, die sie belasten, nicht neu. Wir brauchen nur an die wirtschaftlichen Krisen nach dem ersten Weltkrieg zu denken oder an die politischen Wirren vor der Gründung unseres Bundesstaates. Damals musste sich die Schweiz durch eine Phase der Unsicherheit kämpfen, musste fertig werden mit der politischen und rechtlichen Ungleichheit zwischen Stadt und Land, einer mangelhaft ausgebildeten Trennung der Gewalten, mit wirtschaftlichen Krisen, mit dem Auseinanderstreben politischer und konfessioneller Gruppen. Und dennoch sind diese Krisen überwunden worden, sonst wäre die Schweiz nicht, was sie heute ist.

Aus dem Rückblick auf die Geschichte können wir zweierlei an Erkenntnissen gewinnen: die Einsicht erstens, dass es immer schon und immer wieder Zeiten der Unsicherheit gegeben hat; die Erkenntnis zweitens, dass es immer wieder gelungen ist, solche Situationen mit den vorhandenen politischen Mitteln der direkten Demokratie, vor allem aber mit dem Willen der Zusammenarbeit zu bewältigen. Es wäre also falsch, im jetzigen Zeitpunkt, wo wir zugegebenermassen mit echten Problemen konfrontiert sind, zu zweifeln an der Tauglichkeit des überlieferten Verfassungs- und Gesetzesinstrumentariums und nach neuen «Therapien», sogar nach Gewaltkuren zu rufen. Weder Resignation noch Fatalismus noch blinde Euphorie sind verlangt, sondern Zuversicht gepaart mit einer gesunden Skepsis. Was Not tut, ist also die Anpassung an den besonderen Charakter unserer Zeit, aber auch der Widerstand gegen ihren Ungeist. Die anstehenden Probleme lassen sich lösen, wenn gleich nur mit geeinten und konstruktiven Kräften sowohl der Behörden wie der Bevölkerung.

In diesem Sinne baut der Regierungsrat auf echte Unterstützung der Bevölkerung, wenn es gilt, die Gegenwart und die Zukunft zu bewältigen. Er weiss, dass er sich auf Euch verlassen kann. Doch nichts vermag der Mensch ohne den Machtschutz Gottes. Darum empfehlen wir Euch samt uns dem Allerhöchsten und wünschen Euch, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, einen besinnlichen und frohen Bundesfeiertag.»

29.07.1983 / Abl UR 1983, S. 725 ff.

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(Angaben folgen)

 

 

Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / letzte Aktualisierung: 22.08.2021