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Ansprachen zum Nationalfeiertag

1985

Donnerstag, 1. August 1985



Sujet: Schweizer Keuz aus Holz an rot-weisser Kordel
Zweck der Bundesfeierspende: Mutterhilfe, Schweiz. Stiftung für die Hilfe an Straffällige und ihre Familien, Stiftung für Stipendien und Hilfen an Frauen, Schweiz. Stiftung für Gesundheitserziehung.

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Wort des Landammanns zur Bundesfeier 1985
Landammann Josef Brücker


«In wenigen Tagen begehen wir wieder unseren traditionellen Nationalfeiertag. Die einen tun es in unbekümmerter Fröhlichkeit, andere in dankbarer und sorgender Besinnlichkeit, und ohne Zweifel gibt es auch Mitbürgerinnen und Mitbürger, die an diesem Tag mehr als sonst Pessimismus oder sogar Resignation empfinden. Diese Vielfalt von Gefühlen und Reaktionen ist ganz natürlich, sind wir doch ein Volk von mehr als fünf Millionen Persönlichkeiten mit verschiedenen Anlagen, Möglichkeiten und Lebenserfahrungen.

So freuen wir uns denn mit den unbekümmerten jungen Menschen, denen lauter Festbetrieb und knallende Raketen mehr Zusagen als besinnliche Feiern und in der Ferne glühende Höhenfeuer. Wir versuchen, uns aber auch in jene hineinzudenken, die sich über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unseres Landes Gedanken machen. Sie erfüllen eine wichtige Aufgabe, denn gemeinsames Denken, Fühlen und Handeln sind für die Zukunft entscheidend.

Wir sind heute weit davon entfernt, unsere Vergangenheit heroisch zu verklären. Wir sehen im Gegenteil die Fehler überaus genau, die keiner Generation erspart geblieben sind. Es ist gut, wenn wir daraus Lehren ziehen. Der Gewinn wird noch grösser und ehrlicher sein, wenn wir uns in unsere Vorfahren hineindenken, die aus einem andern Zeitgeist und aus oft völlig andern Verhältnissen heraus gehandelt haben.

Wir leben in der Gegenwart, die durch ein grosses Mass an sozialer Sicherheit und einen ungeahnten technischen Fortschritt gekennzeichnet ist, der uns besonders auf den Gebieten der Information, Mobilität und Arbeitserledigung grosse Möglichkeiten gebracht hat. Wir sehen heute aber auch die Kehrseiten deutlicher, der Mensch und seine natürliche Umgebung werden offensichtlich überfordert. Darüber müssen wir uns gemeinsam Gedanken machen, um dann zu gemeinsamem Handeln zu kommen. Es hat keinen Sinn, die Augen zu schliessen, um bei sich selber und in der Gesellschaft nichts freiwillig zu ändern. Es ist aber ebenso sinnlos, in Weltuntergangsstimmung zu machen. Es liegt an uns allen, dass die Technik nicht unsere Herrscherin, sondern unsere Dienerin wird. Das gelingt nicht mit Technikfeindlichkeit, sondern nur mit dem richtigen Gebrauch.

Darüber hinaus müssen wir wohl von einem doch eher unbedachten Konsumdrang abkommen, ohne deswegen Asketen zu werden. Weniger für sich fordern macht unabhängiger und ist beste Verteidigung der Unabhängigkeit, deren wir uns am Nationalfeiertag zu Recht freuen und rühmen, um die wir uns aber auch Sorge machen.

Freuen wir uns, dass wir dank der vorangegangenen Generationen in einer freien Schweiz die Zukunft als echte Herausforderung betrachten und mitgestalten können. Diese Freude dürfen sich vor allem unsere jungen Menschen nicht entgehen und nicht vergällen lassen, die Jugend braucht Herausforderung und Zukunftshoffnung. An Problemen fehlt es nicht.

Wir haben an diesem Festtag unseres Landes auch allen Grund, Gott zu danken, in dessen Namen unsere Vorfahren unseren Bund gegründet haben.
In diesem Sinne wünschen wir allen einen frohen, besinnlichen und zukunftsgläubigen Feiertag.»

26.07.1985 / Abl UR 1985, S. 709 f.

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(Angaben folgen)

 

 

Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / letzte Aktualisierung: 22.08.2021