BRAUCHTUM

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Ansprachen zum Nationalfeiertag

1987

Samstag, 1. August 1987



Sujet: Rot-weisse Wäscheklammer mit Schweizer Kreuz
Zweck der Bundesfeierspende: Inlandaufgaben des Schweizerischen Roten Kreuzes

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Wort des Landammanns zum Bundesfeiertag 1987
Landammann Hans Zurfluh


«Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,
Wir dürfen freudig dem 1. August, unserem Nationalfeiertag, entgegensehen, denn wir haben eine friedvolle und sichere Heimat. Das ist nicht so selbstverständlich. Sollen wir uns deshalb nicht der Grundwerte erinnern, die uns das erreichen und erhalten Hessen? Ich meine doch.

Der hl. Bruder Klaus, dessen 500. Todestag wir heuer zählen, hat uns diese Grundwerte aufgezeigt und gelebt. Sein Name steht für ein politisches Programm schlechthin, das aufbaut auf der Gerechtigkeit und dem Frieden. So mahnt sein Wort uns heute noch, in allen Dingen gut zu sein, «denn ein Gutes bringt das Andere. Wenn es aber nicht in Freundschaft möchte geschlichtet werden, so lasst doch das Recht das Beste sein.» Dieser Ratschlag lässt sich ins öffentliche Leben auch und gerade unserer Zeit umsetzen. Er will sagen, dass es bei aller Verschiedenheit gilt, einander anzunehmen, gegeneinander Rücksicht zu üben und sich selbst zu bescheiden. Es müssen nicht nur die Jugendlichen die Erwachsenen und die Erwachsenen die Jugendlichen vorurteilslos anhören und zu verstehen versuchen, sondern wir müssen auch dem Andersartigen, dem Ausländer und dem scheinbaren Sonderling mit Rücksicht, Achtung und Verständnis begegnen. Im weitern mahnt uns Bruder Klaus mit seiner Lebensweisheit, zu erkennen, dass der Friede auch eines Landes in der Gerechtigkeit gründet; und zwar einer Gerechtigkeit, die sich nicht bloss hinter dem formalen Recht verschanzt, sondern die zur Weisheit wird, weil sie die Anerkennung aller findet. Rücksichtnahme, gegenseitiges Verständnis und Gerechtigkeit setzen die Bereitschaft zum Verzicht auf eigene Ansprüche voraus: Verzicht auf eigene Rechte, Verzicht auf Besserwissen, Verzicht auch darauf, seinen eigenen Standpunkt kämpferisch durchzusetzen. Der Friede ist so kostbar, dass er immer nur um den Preis persönlicher oder gemeinschaftlicher Opfer erkauft werden kann. Er ist aber ein so hohes Gut, dass dieser Preis sich stets lohnt. Denken wir daran, wenn es gilt, grosse Probleme zu lösen, denken wir aber auch daran, wenn wir den Alltag meistern müssen.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, in diesem Sinne wünsche ich Euch einen freud- und friedvollen 1. August.»

24.07.1987 / Abl UR 1987, S. 689 f.

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(Angaben folgen)

 

 

Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / letzte Aktualisierung: 22.08.2021