BRAUCHTUM

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Ansprachen zum Nationalfeiertag

1990

Mittwoch, 1. August 1990



Sujet: Schweizer Wappen als Lampion mit weisser Kordel
Zweck der Bundesfeierspende: Aktion «Begegnung 91»

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Wort des Landammanns zur Bundesfeier 1990
Landammann Ambros Gisler


«Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger
Am 1. August ist Bundesfeiertag. Es entspricht einem schönen Brauch, dass Landammann und Regierungsrat sich zu diesem Anlass an die Bevölkerung wenden. In diesem Jahr möchten wir folgende Gedanken und Überlegungen anstellen.

Zur Zeit sind wir Zeugen einer atemberaubenden politischen Entwicklung in Europa. In Osteuropa haben sich bisher unterdrückte Völker innerhalb weniger Monate von der kommunistischen Herrschaft befreit und den Aufbau freiheitlich-demokratischer Staatsformen eingeleitet. Eine neue Dynamik ist auch in den europäischen Integrationsprozess getreten. Die Europäische Gemeinschaft (EG) wird sich 1992 noch enger zum europäischen Binnenmarkt zusammenschliessen. Gleichzeitig bemüht sie sich, zusammen mit den EFTA-Ländern, intensiv um die Schaffung eines Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR).

Auch in unserem Land hat ein Wandel statt gefunden. Als Folge des lang andauernden wirtschaftlichen Wohlstandes hat sich die Einstellung vieler zur Gemeinschaft stark verändert. Immer mehr Leute neigen einer Lebensauffassung zu, die Lustgewinn und persönliche Freiheit vor alles andere setzt. Bei ihnen ist zum Teil eine kühle Distanziertheit zum Staat und seinen Verantwortungsträgern getreten. Auch ist nicht zu übersehen, dass aufbauende Kritik einer Tendenz weicht, die jedes Ungenügen und jede Fehlleistung in unserem Land an den Pranger stellt.

In diesen Zeiten des allgemeinen Umbruchs drängt sich in unserem Land mit Blick auf die Zukunft eine Standortbestimmung auf. Im kommenden Jahr feiern wir den 700. Geburtstag der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Dieses Jubiläum bietet uns eine Chance zur Besinnung auf die wahren Werte. Auch wenn einiges in unserem Land zu wünschen übrig lassen mag, dürfen wir uns doch am gemeinsam Erreichten freuen. Das politische System der Schweiz hat sich grundsätzlich bewährt. Es ist fähig, erkannte Missstände und Mängel aufzudecken und sie auch zu beheben. Wenn wir den Gemeinschaftssinn wieder verstärken und sich jeder von uns der öffentlichen Mitverantwortung wieder bewusster wird, besteht für die Zukunft durchaus Anlass zur Zuversicht. Dies umsomehr, als erfreulicherweise gerade bei der Jugend wieder vermehrt die Bereitschaft zum Engagement für die Öffentlichkeit und zur Mitverantwortung wächst.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, in diesem Sinne wünschen wir Euch einen besinnlichen und frohen 1. August und benützen die Gelegenheit, um Land und Volk dem Machtschutz Gottes zu empfehlen.»

27.07.1990 / Abl UR 1990, S.948.

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(Angaben folgen)

 

 

Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / letzte Aktualisierung: 22.08.2021