BRAUCHTUM

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Ansprachen zum Nationalfeiertag

1998

Samstag, 1. August 1998



Sujet: Sonnenblume mit Schweizer Wappen als Blatt
Zweck der Bundesfeierspende: Naturlandschaften, zur Verteilung durch den Fonds Landschaft Schweiz (FLS)

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Aufruf des Urner Landammanns zum 1. August 1998
Landammann Peter Mattli


«Liebe Mitbürgerinnen
Liebe Mitbürger

Die Schweiz feiert heuer 150 Jahre Bundesstaat. Sie blickt zurück auf das, was sie - oft auch mit Entbehrungen und Schmähungen - erreicht hat. Soll diese bewegte Geschichte Lehrstück für heute und morgen sein? Ich meine ja. Denn die Schweiz hat sich insbesondere 1798 und 1848 Problemen gegenübergestellt gesehen, die sie auch heute wieder beschäftigen. Es waren - und sind - einerseits Probleme ihres Verhältnisses zur nachbarschaftlichen Staatenwelt, anderseits aber auch Probleme ihrer inneren Struktur, ihrer Fähigkeit, zeitgerechte und angemessene Lösungen zu finden. Heute wie damals wollen wir unser Verhältnis zu Europa, das sich je länger desto mehr ausdehnt und einigt, definieren. Heute wie damals sind wir bestrebt, die innere Staatsstruktur zweckmässig zu formen: Staatsführung, Demokratie, Subsidiarität, neue Aufgabenteilung und neuer Finanzausgleich, neue Bundesverfassung mögen als Stichworte den Umbruch andeuten.

Neben den politischen Problemfeldern beschäftigen uns zudem weitere Anliegen, die alle unsere Kräfte fordern. Ich meine vor allem den gesellschaftlichen und den wirtschaftlichen Wandel, der sich hinter dem magischen Wort «Globalisierung» verbirgt, dem Wort, das Hoffnung ebenso wie Unbehagen und Angst vermittelt.

Wie können wir angesichts der rasanten Entwicklung Stabilität, Dauerhaftigkeit und sozialen Frieden wahren? Besinnen wir uns auf die Grundwerte, die bereits unseren Vorfahren Rezept waren, um die damaligen Probleme zu bewältigen. Sie sollen auch heute, als zeitlose Werte, Leitstern sein: Wir müssen bereit sein zu gesinnungsmässiger Erneuerung, ohne dabei unsere Eigenheiten zu verleugnen. Und wir müssen zusammenhalten im Umbruch. Radikalität, Sturheit und blinde Kompromisslosigkeit sind allemal fehl am Platz. Nur wer bereit ist, den anderen anzuhören und dessen Argumente und Einwendungen zu würdigen, ist fähig, den gemeinsamen Weg des - inneren und äusseren - Fortschritts zu gehen.

Diese Binsenwahrheiten, die uns die Geschichte eindrücklich lehrt, gelten selbstredend auch für uns, und zwar bei politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fragen. Wenn wir uns bemühen, mit diesem Gedankengut die anstehenden Probleme zu lösen, dürfen wir mit Zuversicht auf Erfolg hoffen - Erfolg, der den Stolz auf unser Land rechtfertigt.

Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger, in diesem Sinn wünsche ich Euch einen frohen, mutvollen und stolzen Staatsfeiertag.»

31.07.1998 / Abl UR 1998, S. 1113.

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Gast beim Altdorfer Dorffest: Luzerner Hinterland

 

 

Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / letzte Aktualisierung: 22.08.2021