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Ansprachen zum Nationalfeiertag

2004

Sonntag, 1. August 2004



Sujet: Goldiger Schmetterling
Zweck der Bundesfeierspende: Schweizer Kleinbauten

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Wort des Landammanns zur Bundesfeier 2004
Landammann Josef Arnold


«Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger

Mit dem 713. Geburtstag, den die Schweiz im 2004 feiern darf, fällt in diesem Sommer das 200-Jahr-Jubiläum der Uraufführung von Friedrich Schillers Schauspiel «Wilhelm Tell» zusammen. Die Aufführungen der Tellspiele in Altdorf und auf dem Rütli sowie die Ausstellung im Forum der Schweizer Geschichte in Schwyz geben Anlass, sich mit dem Mythos Tell auseinander zu setzen.

Wir können zu Wilhelm Tells historischer Existenz stehen, wie wir wollen, sogar seine historische Existenz anzweifeln. Erwiesen ist, dass sich damals, vor gut 700 Jahren, Landleute von Uri, Schwyz und Unterwalden sich stark genug fühlten, der drohenden Umklammerung durch kirchliche und weltliche Fürsten zu trotzen. Sicher ist zudem, dass man sich damals auflehnte gegen die Ausdehnungspolitik des Hauses Habsburg, die als willkürlich und untragbar empfunden wurde. Und aus diesem hartnäckigen Widerstand heraus ist unser eidgenössisches Staatswesen gewachsen.

Die Geschichte des Tell ist die Geschichte einer Auflehnung, die zur Freiheit führt. Um diese Freiheit zu erreichen, brauchte es Engagement und Mut, sich zu exponieren und etwas zu wagen.

Im 19. Jahrhundert wandelte sich die alte Eidgenossenschaft zu einem modernen, demokratischen Rechtsstaat. Der weitere Verlauf der Geschichte zeigt, dass die Demokratie, der freie Wille des Volkes und seiner Vertreter, zahlreiche Angriffe und Unterdrückungen zu überstehen hatte – eine Anstrengung, die sich zweifellos lohnte. Denn die Demokratie ist ein tragender Grundwert unseres Landes. Sie gewährt ein hohes Mass an Mitsprache sowie persönlicher und politischer Freiheit. Sie kennt aber auch klare Spielregeln und achtet Minderheitsmeinungen. Diese Demokratie wollen und dürfen wir nicht «wegrationalisieren» oder gar «wegsparen».

Der Mythos Tell vermittelt uns auch heute noch die Botschaft, dass es sich lohnt, für Freiheit und Unabhängigkeit zu kämpfen. Wir brauchen den Mut zur eigenen Meinung und zum Engagement für unseren Staat und unsere Gesellschaft. Jede Generation muss unseren Kanton, unsere Schweiz, neu erfinden und damit auf ihre Weise an der über 700-jährigen Geschichte unseres Landes weiterarbeiten. Helden und Heldinnen sind heute stärker denn je gefragt – in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft wie im Sport. Die Herausforderungen und Aufgaben verlangen neue und mutige Lösungsansätze. Aber der Einsatz und das Engagement Einzelner reicht nicht aus. Es wäre falsch und fatal, heute auf einen «neuen Tell» zu warten, der unsere Probleme löst. Wir alle sind gefordert, uns für unsere Heimat, unseren Lebens- und Wirtschaftsraum Uri einzusetzen.

Ich wünsche mir, dass wir miteinander, einig und tatkräftig, den gemeinsamen Weg in die Zukunft wagen und fortsetzen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen einen schönen und unvergesslichen 1. August 2004.»

30.07.2004 / Abl UR 2004, S. 1093 f.

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(Angaben folgen)

 

 

Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / letzte Aktualisierung: 22.08.2021