BRAUCHTUM

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Ansprachen zum Nationalfeiertag

2008

Freitag, 1. August 2008



Sujet: Roter Orden mit Schweizer Kreuzen
Zweck der Bundesfeierspende: historische Verkehrswege (Via Storia)

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Bundesfeier Gedanken des Landammanns zum 1. August 2008
Landamman Isidor Baumann


«Geburtstage sind wiederkehrende Daten, die uns einladen, sich zurückzuerinnern, den Standort zu bestimmen und Vorstellungen zum kommenden Jahr oder darüber hinaus zu machen. Alle drei Wertungen könnten so gemacht werden, dass man nur das Positive oder nur das Negative hervorhebt. Ich bin überzeugt, dass das falsch wäre. Richtig ist es, möglichst alles in die Waagschale zu werfen – das, was uns erfreut, das, was uns belastet. Zudem dürfen wir die Wertung nicht auf unsere eigenen Empfindungen beschränken. Vielmehr ist ein grösseres Umfeld einzubeziehen.

Uns Urnerinnen und Urner sollte das nicht schwer fallen, denn wir sind uns bewusst, dass wir zwar allein stark, gemeinsam aber noch stärker werden können. Und das, ohne uns unnötig zu beschränken oder gar abhängig zu machen.

«Wenn ich mich zurückerinnere», hat uns die NFA die berechtigte Freiheit verschafft, unsere Selbstverwaltung direkter und unsere Bedürfnisse wirkungsorientierter wahrzunehmen. Wir haben mit dem Fortschritt beim Tourismusprojekt Andermatt und beim Raumentwicklungskonzept Unteres Reusstal unseren Gestaltungsspielraum genutzt und damit unsere Wachstumsziele selbstständig neu definiert. Die Stimmberechtigten haben den Landrat neu gewählt und die Medienlandschaft verfolgt die Entwicklung unseres Kantons, so scheint mir, immer positiver.

«Wenn ich die Standortbestimmung vornehme», befinden wir uns derzeit in einer Ausgangslage, die so günstig ist wie schon lange nicht mehr. Sie erlaubt uns mehr Selbstbestimmung und freieres Handeln. Dazu mussten wir aber – zum Teil freiwillig, zum Teil unfreiwillig – uns von traditionellen Strukturen und Prozessen in der Gesellschaft trennen. Veränderungen brauchen Mut, und diesen spüre ich im Kanton Uri je länger je mehr.

«Wenn ich mir Vorstellungen zum kommenden Jahr mache», stelle ich mit Freuden fest, dass Uris Entwicklungsmöglichkeiten und Wachstumschancen grossartig sind. Demnächst können wir an der Urne selbst die Steuern senken. Die frei werdenden Mittel erlauben uns vermehrte Investitionen in unseren Lebens- und Wirtschaftsraum. Mit den Grossbaustellen im Kanton Uri dürfen wir Wachstum und Ansiedlungen von Unternehmen und damit ein zunehmendes Arbeitsplatzangebot erwarten. Es liegt nun an uns, diese Chancen zu unterstützen und selbst zu nutzen.

Trotzdem sei mir erlaubt, bei dieser Aufbruchstimmung zur Vorsicht zu mahnen. Selbst nach 717 Jahren Selbstbestimmungsfreiheit müssen wir uns bemühen, das Erreichte zu erhalten: Wir bestimmen selbst über Steuern und Abgaben. Wir sichern ein grosszügiges Bildungs- und Gesundheitsangebot. Wir entscheiden, für wen und für was wir arbeiten. Wir haben sogar die Freiheit, darüber abzustimmen, ob Fremde bei uns arbeiten dürfen. Aus diesen nur beispielhaften Elementen unserer Selbstbestimmungsfreiheit muss uns bewusst werden, welche grossen Werte wir besitzen. Wir wollen sie erhalten, nutzen, aber nicht missbrauchen.

Auch wenn die Tellspiele für jede Aufführung wieder neu inszeniert werden müssen, auch wenn die 1.-August-Feier auf dem Rütli fast jährlich neu geregelt wird, ändert das nichts an unserer Freiheit und an unserem Selbstbestimmungsrecht. Der 1. August soll uns wieder daran erinnern, was wir erreicht haben und was wir respektvoll, aber auch zeitgemäss bewahren und für uns und unsere Nachfahren nutzen wollen.»

25.07.2008 / Abl UR 2008, S. 1145 f.

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(Angaben folgen)

 

 

Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / letzte Aktualisierung: 22.08.2021