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Ansprachen zum Nationalfeiertag

1941

Freitag, 1. August 1941



Sujet: Siegel an gedrillter rot-weisser Schnur
Zweck der Bundesfeierspende: Allg. Geschichtsforschende Gesellschaft der Schweiz (AGGS), die Schweiz. Gesellschaft für Urgeschichte (SGU), die Schweiz. Gesellschaft für Volkskunde (SGV) und die Gesellschaft für Schweiz. Kunstgeschichte (GSK)

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Wort des Landammanns zum Bundesfeiertag 1941
Landammann Ludwig Walker


«Getreue, liebe Landleute!

Am 1. August 1941 sind 650 Jahre verflossen, seitdem die Völkerschaften der Länder Uri, Schwyz und Unterwalden ihr altes Bündnis urkundlich und auf ewige Zeiten erneuert und durch einen Eidschwur Gott den Allmächtigen zum Zeugen und Schirmherrn ihrer Gemeinschaft angerufen haben.

Der Gedenktag fällt in eine ernste, schwere Zeit. Furchtbares spielt sich draußen in der Welt ab. Groß- und Kleinstaaten sind zusammengebrochen oder leiden unter schwerem Drucke; Millionen von Menschen haben unsägliche Leiden zu erdulden. Unsere Heimat ist bis heute verschont geblieben, unser Staatswesen hat sich zu erhalten vermocht. Wahrlich, Grund genug zur Besinnung und zu stillem und offenem Danke. Es wird uns nicht einfallen, dieses große Glück unserem eigenen Werte zuzuschreiben, es als unser Verdienst anzusehen. Das Geschehen lehrt andere Möglichkeiten.

Der 1. August 1941 soll nicht nur ein Tag der Freude sein, sondern auch der Anlaß zu ernster Besinnung, was wir als glückliche Nachkommen eines Heldenvolkes, unserem Herrgott, dem Vaterlande und der Allgemeinheit schuldig sind. Aus dem Bundesbrief wollen wir unsere Pflichten als Staatsbürger neu erkennen. Wir müssen uns wieder bewußt werden, welche Summen von Blutopfern und Entbehrungen aller Art unsere Altvordern auf sich genommen haben, um uns ein freies Land zu hinterlassen, was für ein unschätzbares Glück es ist, als freie Bürger eines freien Landes mitten in den Schrecknissen der Gegenwart im Frieden zu leben, wie geringfügig die Opfer und Einschränkungen sind, welche das Schicksal uns bisher auferlegt hat, und wie wehleidig wir oft Klagen, weil wir nun auf dieses oder jenes, was uns lieb und angenehm war, verzichten müssen.

Die Gedenkfeier ruft uns eine Geschichte von 650 Jahren in Erinnerung. Wir wollen aus ihr das Gute als Vorbild, die Fehler als Warnung in die Zukunft übernehmen. Unser Wunsch ist, mit jedem Volk in Freundschaft zu leben, das es gut mit uns meint, und den Frieden zu erhalten. Helfen wir, wo wir im eigenen Volke Not lindern können; zeigen wir uns aber auch großherzig, wenn wir die Folgen des Krieges in andern Ländern zu mildern vermögen.

Die Bundesfeier soll das gemeinsame Band um alle Eidgenossen wieder enger schlingen, denn nur durch die Kraft der Einheit können wir die Vielheit der Gefahren überwinden. Wir alle müssen unentwegt dafür eintreten, daß der Geist des ersten Bundes, die Gottverbundenheit und die Freiheitsliebe immerdar bestehen bleibe, wie auch die Kraft, Opfer zu bringen und wenn nötig, Gut und Blut für das Vaterland hingeben zu können.

Möge Gott, der Allmächtige, unser Schutzherr und älteste Bundesgenosse, unser Vaterland auch fernerhin im Frieden erhalten.»

28.07.1941 / Abl UR 1941, S. 689 ff.

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(Angaben folgen)

 

 

Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / letzte Aktualisierung: 22.08.2021