Modedrinks, in Uri getrunken
Beim freundeidgenössischen Besuch der Zürcher in Altdorf im Jahre 1487 wurde den Gästen nebst reichlichem Essen welsche Weine vorgesetzt: Malvasier, Claret sowie Veltliner und Elsässer Wein. Eine rauhe Trinksitte bestand dabei im Zutrinken mit der Pflicht zum Leeren des Trinkgefässes. Die alten Eidgenossen waren auch in der Folge keine Weinverachter. Dank der aus den Klöstern stammenden Braukunst war auch das Bier dauerhafter Durstlöscher. Hopfen und Malz, Gott erhalt’s!
In Frankreich wurde dann im 19. Jahrhundert ein neues Modegetränk geschaffen. Die zweite Gärung des Weines führte zum sprudelnden Champagner. Nun liess man die Korken knallen! Der Schauwein entwickelte sich zum Statussymbol für Luxus und Feierlichkeiten. Prosecco, Franciacorta oder Sekt subsumierten sich unter dem Namen «Cüpli» und erfreuen sich bis heute – vor allem bei der Damenwelt – grosser Beliebtheit.
Seinen Beitrag zur Trinkkultur leistet auch das Glas. Der Champagner, früher nobel aus dem Kelch getrunken, wurde von der «Flute» verdrängt. Grosser Beliebtheit erfreute sich in den 1960er-Jahren eine kleine Kristallglasente. Beim «Canärlä» wurde mit einer kleinen Zange ein Zuckerwürfel im Schnaps getränkt. James Bond weitete sodann dem Martini den Bekanntheitsgrad: Geschüttelt und nicht gerührt!
Zu Trinkritualen eignete sich auch das Bier: Beim «Unterseeboot» wurde ein kleines Gläschen mit Kirsch gefüllt und in den Humpen gestellt. Beim Bierstiefel erhielt der Unvorsichtige eine Gesichtsdusche aus Hopfen und Malz. Ab den 1970er-Jahren leuchtete der Inhalt der Stangen und Humpen am Stammtisch leuchtend rot. Man trank das Bier als «Grenadine».

Immer mehr Modedrinks, wie Alcopops und Premixgetränke, zierten sodann die Getränkekarte. Der Prosecco wurde farbenfroh mit Likör gemischt oder mit Holunderblütensirup, Minze und Soda zum «Hugo». Energy-Drinks mit hohem Koffeingehalt, wie Red Bull, wurden zum Trend, Craft-Biere mit herberen Noten en vogue. Der Appenzeller Alpenbitter wurde zur konstanten Grösse und mit Trinkritualen verbunden.
In den 2020er-Jahren wurde die verschiedenen Spritz mit Aperol, Campari und Limoncello zum erfrischenden Modegetränk. Wer es lieber exklusiver haben und sich von der «Miär-au»-Bestellung distanzieren wollte und sich am Tresen als Trendsetter bewundern lassen zu können, verlangte nach einem Negroni (nicht der Salami) oder einem Espresso Martini! Der Cocktail aus Wodka, Espresso, Kaffeelikör, Zuckersirup hat mit einem klassischen Martini geschmacklich zwar nichts gemein. Hauptsache, es tönt gut und wird im Martiniglas serviert! Zum Wohl!
Quelle: Rolf Gisler-Jauch, «Espresso Martini», Kolumne im Urner Wochenblatt, 16.04.2025.
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