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Acker- und Gemüseanbau in Uri

KARTOFFEL- UND GEMÜSEANBAU IN URI




Der Gemüseanbau in Uri war lange eng mit der Selbstversorgung der Haushalte verbunden. In den Hausgärten wurde im Mittelalter Gemüse, namentlich Bohnen, Erbsen und Rüben gepflanzt. Während Viehzucht, Milchwirtschaft und Alpwirtschaft die Landwirtschaft prägten, lieferten Hausgärten und kleine Pflanzplätze eine wichtige Ergänzung zur täglichen Nahrung. Die begrenzten ebenen Flächen und die unterschiedlichen Höhenlagen setzten dem Anbau jedoch Grenzen. In der Reussebene bestanden neben privaten Gärten auch Allmendgärten, auf denen Familien Lebensmittel für den eigenen Bedarf erzeugten.

Zwischen 1560 und 1570 breitete sich die Kartoffel — nach ihrer Entdeckung in Südamerika — von Spanien aus nach dem übrigen Europa aus. Aber erst am Anfang des 18. Jahrhunderts soll sie von einem Glarner Söldner aus Irland in die Schweiz gebracht worden sein. Es dauerte jedoch noch eine Zeit bis diese auch im Urnerland angepflanzt wurden, denn in den Urner Kochbüchern um die Mitte des 18. Jahrhunderts ist noch nirgends von Kartoffeln die Rede. Vermutlich wurden erst gegen Ende dieses Jahrhunderts dies Knollen erstmals angepflanzt und fanden in Goethes Aufzeichnung Erwähnung. Die Kartoffel wird vor allem in den Allmendgärten angepflanzt. Diese Lage brachte es mit sich, dass im Herbst die Kartoffeln im Tragkorb oder auf einem Leiterwägelchen über weite Strecken heimgebracht werden mussten.
Lange Zeit führte das Urserental die notwendigen Kartoffeln noch von auswärts ein, Mitte des 19 Jahrhunderts beschloss jedoch auch die Korporationsgemeinde Urseren, jeder korporationsgenössigen Familie 400 m2 Allmendland als Kartoffelacker auf unbestimmte Zeit zu überlassen, da das eigene Land der Leute nicht gross genug war, um genügend Kartoffeln darauf zu ziehen. Ausdrücklich werden in diesem Beschluss die Kartoffeln als «Hauptnahrungsmittel» der Bevölkerung bezeichnet. Auf diesem zur Verfügung gestellten Land durfte jedoch nichts anderes als Kartoffeln angepflanzt werden.
Da im Kanton Uri der nutzbare Boden schon seit jeher rar war, bürgerte sich mit der Zeit eine eigenartige Pflanzart der Kartoffeln ein. Man legte die teilweise recht kleinen, oft nur wenige Quadratmeter grossen Kartoffeläckerchen auf grossen, oben abgeflachten Felsblöcken oder auf Felsabsätzen an; einerseits konnte man dadurch das kostbare Wies- und Weidland schonen, anderseits schützte man damit selber die Pflanzen vor dem Gross- und Kleinvieh.
In den Urner Bergtälern wird der Kartoffelertrag allerdings nie allzu gross gewesen sein. So wird berichtet, dass ein Kartoffelgärtchen auf einem Felsblock im Fellital, auf 1388 m Höhe, gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts Kartoffeln nur in der Grösse von Pflaumen geliefert haben soll! Man nannte die allzu klein geratenen Kartoffeln verächtlich «Sywgagglä». Sie wurden den Schweinen verfüttert.

Eine besondere Bedeutung erhielt der Anbau während des Zweiten Weltkriegs. Die unsicheren Lebensmittelimporte veranlassten den Bund, die inländische Produktion auszudehnen. Nach dem Krieg blieb diese Ausweitung nicht dauerhaft bestehen. Die meisten neu angelegten Gärten wieder. Auch die meliorierten Flächen der Urner Reussebene entwickelten sich langfristig nicht zu einem grossen Acker- oder Gemüsebaugebiet, sondern dienten vorwiegend der Milchviehwirtschaft.

Seit etwa 1980 lassen sich neue Ansätze erkennen, bei denen ökologische Bewirtschaftung und die Vermarktung eigener Produkte stärker in den Vordergrund rückten. Ein frühes Beispiel bietet Osi Ziegler: Bereits in den 1970er-Jahren baute er mit seiner Frau Luzia in einem Allmendgarten in Attinghausen biologisch Gemüse an. Anschliessend arbeitete er mit dem Spitalgärtner Alois Baumann an der Erzeugung von biologischem Gemüse für die Spitalküche. Nach der Übernahme des elterlichen Betriebs im Wissig in Seelisberg 1980 stellte die Familie diesen auf biologische Bewirtschaftung um; 1986 erfolgte die Bio-Suisse-Zertifizierung. Diese Entwicklung war Teil eines breiteren Aufbruchs, zu dem auch die 1982 gegründete Interessengemeinschaft Kräuteranbau des Kantons Uri gehörte.

In Attinghausen begannen sowohl die Familie Imhof als auch Rosemarie und Franz Kempf auf dem Hof Eyelen 1994 mit der Gemüseproduktion und dem Absatz am Altdorfer Wochenmarkt. Damit entstanden Erwerbsmöglichkeiten, die den direkten Kontakt zwischen Produzenten und Kundschaft nutzten. Die Familie Imhof ergänzte den Verkauf ab Hof 2012/13 durch einen neuen Hofladen mit Rüstraum. Auf dem Hof Eyelen erfolgte 1998 die Umstellung auf Bio. Die beiden Betriebsgeschichten zeigen, wie Gemüsebau innerhalb ursprünglich von der Tierhaltung geprägter Höfe zu einem eigenen Betriebszweig werden konnte.

Mit dieser Entwicklung verbreiterte sich auch das angebotene Sortiment. Im Freiland werden zahlreiche Gemüse- und Salatarten an, darunter Rüebli, Sellerie, Kohlarten, Fenchel und Zucchetti. Gewächshäuser ermöglichen zusätzlich den Anbau von Tomaten, Gurken und Peperoni sowie von frühen Salaten und winterlichem Nüsslisalat. Der Biohof Eyelen bietet ebenfalls saisonales Gemüse an und führt am Wochenmarkt auch Pro-Specie-Rara-Sorten. Neben Hofläden und Marktständen gehören heute Gemüseabonnemente zu den Absatzwegen.

Bis in die Gegenwart werden diese kleinen Produktionszweige weiterentwickelt. Monika Kempf übernahm den Biohof Eyelen 2020 und gab 2023 die Mutterkuhhaltung auf. Ein Teil des auf dem Betrieb erzeugten Grases wird inzwischen als Silagemulch im Gemüsebau eingesetzt. Dadurch verändern sich die betrieblichen Kreisläufe: Das Gras dient unmittelbar der Bodenbedeckung und Nährstoffversorgung der Gemüseflächen.

Quellen / Literatur: Iten Karl, Stadler Emil; Zeitungsserie «Rings um ds Ürner Chuchigänterli», in: GP Nr. 28, 11.7.1970.; Stadler-Planzer Hans, Geschichte des Landes Uri, Bd. 1, S. 86; https://imhofladen.ch; www.urikon.ch (mit Unterstützung von ChatGPT); Symbolzeichnung: ChatCPT.

KARTOFFEL- UND GEMÜSEANBAU IM DETAIL

ZITATE ZUM KARTOFFEL- UND GEMÜSEANBAU

Gemüseanbau im Gebirgstal (Meien)
Franz Vinzenz Schmid, Offizier und Historiker
«Fremde Durchreisende erstaunen da nicht ohne Ursache, wenn sie an diesem hochgelegenen Alpenort wohlausschlagenden Ackerbau sehen.»
Schmid Franz Vinzenz, Allgemeiner Geschichte des Freystaats Ury, in: Iten Karl, Stadler Emil; Zeitungsserie «Rings um ds Ürner Chuchigänterli», in: GP Nr. 34, 22.8.1970.
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Die Kartoffelgärten beim Pfaffensprung
Karl Franz Lusser, Arzt und Geschichtsforscher
«Tief im Schatten einer engen, zum Theil noch mit Gebüsch bedeckten Felsenschlucht arbeitet sich da, wo nach alter, mährchenhafter Sage ein Mönch mit einem gestohlenen Mädchen, den Verfolgern zu entgehen, hinübergesprungen seyn soll, die Reuss unter der Brücke hindurch und bespült die grauen Felsen, auf welchen die fleissigen Einwohner mit Mühe kleine Erdäpfelgärtchen angelegt haben, um ihre ohnehin zu sehr mit Felstrümmern übersäeten Wiesen zu schonen.»
Literatur: Iten Karl, Stadler Emil; Zeitungsserie «Rings um ds Ürner Chuchigänterli», in: GP Nr. 28, 11.7.1970.
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KARTOFFEL-UND GEMÜSEEREIGNISSE

Montag, 10. Juli 1854
Regierungsrat setzt Prämien für Fruchtdiesbstahl
Da aus mehreren Gemeinden Klagen wegen Fruchtdiebstahl eingegangen sind und die Täter, sei es wegen Mangel einer Anzeige bei amtlicher Stelle, oder, weil sie unentdeckt blieben, ungestraft ausgingen, findet sich der Regierungsrat veranlasst, zur allgemeinen Warnung, an das bestehende Gesetz zu erinnern, welches jede Entwendung von Erd- und Baumfrüchten mit strenger Strafe, als Gefängnis, öffentlicher Ausstellung am Pranger und sonstiger körperlicher Züchtigung bedroht.
Iten Karl, Stadler Emil; Zeitungsserie «Rings um ds Ürner Chuchigänterli», in: GP Nr. 34, 22.8.1970.

Freitag, 10. März 1882
Erweiterung der Allmendgärten ist verboten
Der Altdorfer Gemeinderat lässt im Urner Amtsblatt mitteilen, dass den Besitzern von Allmendgärten hiermit angezeigt und in Erinnerung gebracht ist, dass das Zusammengraben der Allmendgärten und das Erweitern derselben über das gesetzliche Mass, sowie das Graben gegen den Reusswall verboten ist und gemäss dem Gesetze bestraft werden wird.
Abl UR Nr. 11, 1882.

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Angaben ohne Gewähr / Impressum / Letzte Aktualisierung: 26.12.2018